Berlin - Eigentlich ist das Tischtuch zwischen der SPD und Oskar Lafontaine zerschnitten. Seit der Saarländer 1999 das Amt des Bundesfinanzministers und SPD-Vorsitzenden hinschmiss und später mit Gregor Gysi eine Konkurrenzpartei namens Die Linke gründete, sind sie bei den Sozialdemokraten gründlich bedient. Am Freitag nun hieß es, dass sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel noch am selben Tag mit Lafontaine treffen wolle. Er sei eh im Saarland unterwegs. Fragt sich, was das bedeutet.

Nach Angaben der Rheinischen Post ging der Wunsch von Gabriel aus. Dieser hatte auf dem Gerechtigkeitskongress Anfang der Woche eine Rede gehalten, die eher links klang und von Lafontaine auch öffentlich gelobt wurde. Der SPD-Chef wird von der Gesamtpartei inzwischen kritisch beäugt – wegen teilweise unflätigen Benehmens, wegen Sprunghaftigkeit und eines allzu mittigen Kurses. Die Kritik vom linken Parteiflügel ist deshalb besonders stark. Entsprechend fand Hilde Mattheis, Exponentin eben dieses Flügels, das geplante Meeting gestern schlicht „genial“. Andere Parteimitglieder, die Lafontaine kritisch gegenüber stehen, wollten sich dazu nicht äußern. Sie dürften die Aktion wohl in der Kategorie „sprunghaft“ verbuchen.

Widerspruch bei den Parteien

In der Linkspartei ist die Lage ähnlich widersprüchlich. Dass sich der SPD-Vorsitzende genötigt sieht, einen Schritt auf sie zuzugehen, dürfte den Mitgliedern mehrheitlich gefallen. „Wir begrüßen es immer, wenn sich Vertreter der SPD mit denen der Linken treffen“, sagte Linksparteichef Bernd Riexinger dieser Zeitung. „Sigmar Gabriel hat auf dem Gerechtigkeitskongress der SPD eine interessante Rede gehalten. Dies deutet darauf hin, dass die SPD wieder ein Stück nach links geht.“ Er fügte freilich hinzu: „Wenn es dann konkret wird, wird es bei der SPD oft dünn. Es wäre gut, wenn sich das ändern würde.“

Abgesehen davon ist Lafontaine, hauptberuflich Fraktionsvorsitzender im saarländischen Landtag, in der Linken inzwischen ungefähr so umstritten wie in der SPD. Das hat mit seinem autoritären Gebaren zu tun, mit seiner Euro-Kritik und seiner flüchtlingskritischen Haltung. Während es aus der Perspektive der SPD so aussieht, als sei ein Treffen Gabriels mit Lafontaine ein Schritt nach links, wirkt es aus der Perspektive mancher in der Linkspartei eher wie ein Schritt nach rechts.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber äußerte sich unterdessen ironisch. Er sagte dieser Zeitung lediglich, das Treffen sei „ein komischer Beleg für den Weg der SPD in die politische Mitte“.