Ist es ein Fehler, dass Martin Schulz mitten im Wahlkampf seine Generalsekretärin Katarina Barley aus dem Willy-Brandt-Haus abzieht und zur Familienministerin macht? Und das, obwohl im Familienministerium doch ohnehin in den kommenden Monaten des Wahlkampfs in Sachen Regieren nichts mehr bewegt wird? Das ließe sich, durchaus pragmatisch, so bewerten. Dennoch ist die Einschätzung falsch.

Martin Schulz und die SPD haben in ihrem Gerechtigkeitswahlkampf das Thema Familie als ein zentrales für sich entdeckt. Ein zentrales Thema braucht aber auch ein möglichst bekanntes Gesicht, das es vertritt. Es muss sich zudem um eine Person handeln, von der klar ist, dass sie nach der Wahl auch tatsächlich im Bund zur Verfügung steht. Das kann Manuela Schwesig nicht mehr sein – sie wird in Mecklenburg-Vorpommern gebraucht.

Man mag an Katarina Barley bemängeln, dass sie als Generalsekretärin nicht unbedingt als Kämpferin aufgefallen ist. Andererseits macht gerade die Tatsache, dass die politische Späteinsteigerin gelegentlich anders spricht als Politiker es üblicherweise tun, Barley zu einer interessanten Figur für Teile der Wählerschaft. Jedenfalls fällt einem spontan auch niemand anderes ein, der besser geeignet gewesen wäre, das Thema Familie für die SPD zu übernehmen. Nicht nur jetzt, sondern dauerhaft.

SPD muss Familien-Thema besetzen

Dass Schulz dem Ministerium eine solche hohe Priorität einräumt, ist richtig und wichtig. Sie dürfen bei der SPD nie vergessen, dass die CDU mit der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen vor einigen Jahren schon mal dabei war, den Sozialdemokraten hier den Rang gänzlich abzulaufen. Das darf der SPD nicht noch einmal passieren. Denn eines ist klar: Familie ist auch in der Politik längst kein Randthema mehr. Es betrifft – etwa durch die Frage der Betreuungsangebote – zahlreiche Politikfelder. Fehlen diese Angebote für junge Frauen und Männer, können sie nicht arbeiten.

Die Entscheidung für Katarina Barley ist also richtig. Ob es die für Hubertus Heil als neuen Generalsekretär auch ist, müssen die kommenden Monate noch zeigen. Er hat schon einmal einen SPD-Wahlkampf aus einer großen Koalition heraus geführt – mit einem niederschmetternden Ergebnis. Ein weniger erfahrener Kopf wäre in diesem Fall vielleicht gar nicht verkehrt gewesen.