Berlin - Am Tag nach den Verschiebungen in der Bundespolitik waren die Parteien in  Berlin zunächst mit sich selbst beschäftigt – unternahmen aber auch erste Schritte zu einer Jamaika-Koalition. Dieses Bündnis aus Union, FDP und Grünen ist nach der Bundestagswahl vom Sonntag als einzige rechnerische Mehrheit zur Regierungsbildung geblieben, seit die SPD ihren Rückzug in die Opposition beschloss. CDU-Chefin Angela Merkel kündigte am Montag dennoch Gespräche nicht nur mit FDP und Grünen an, sondern will auch mit der SPD „im Gesprächskontakt bleiben“. Die SPD lehnte ab: Merkel sollte „ihre Zeit besser für andere Anrufe nutzen“, sagte Parteichef Schulz.

Ehe es aber auch nur um erste Sondierungen gehen konnte, traten die  inneren Konflikte der beteiligten Parteien zutage. So macht die CSU Merkels Flüchtlingspolitik für das starke Abschneiden der AfD verantwortlich. Zwar sprach sich der CSU-Vorstand für ein Festhalten an der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aus – will sich aber schnell mit ihr auf eine gemeinsame Linie verständigen und dabei „die rechte Flanke schließen“. Ein Rechtsruck der CSU dürfte allerdings eine Zusammenarbeit mit den Grünen erschweren. Diese lehnten Annäherungen nicht ab, wollten aber „nur in eine Regierung gehen, wenn der Auftrag, den uns die Wähler mitgegeben haben, auch erfüllt ist“, so Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Kompromisse müssten natürlich möglich sein.

Lindner fordert spürbaren Politikwechsel

FDP-Chef Christian Lindner signalisierte Gesprächsbereitschaft für eine Jamaika-Koalition. Voraussetzung sei aber ein spürbarer Politikwechsel. Wenn eine neue Regierung „nur mit anderen Farben“ das Gleiche wie die große Koalition mache, „wäre das ein Wählerbeschaffungsprogramm für Protestparteien“, sagte Lindner, der zudem bereits zum Fraktionsvorsitzenden der FDP gewählt wurde. Für die Union soll das Amt erneut Volker Kauder (CDU) übernehmen, bei der SPD soll die bisherige Arbeitsministerin Andrea Nahles Thomas Oppermann als Fraktionschefin nachfolgen.

Der Einzug der AfD in den Bundestag begann dagegen mit einem öffentlichen Zerwürfnis: Parteichefin Petry verkündete überraschend, sie werde der AfD-Fraktion nicht angehören, sondern als Einzelabgeordnete im Parlament sitzen.