Berlin - Strebt Angela Merkel vorzeitige Neuwahlen an?

Diese Frage wird in Berlin derzeit heiß diskutiert. Sie haben noch nichts von dieser Debatte gehört? Dann warten Sie mal ab, bis der Fußball nicht mehr alles verdrängt und in der Hauptstadt das große Sommerloch sich mit seinem Gähnen bemerkbar macht.

Wenn Sie von der Frage noch nichts gehört  haben, kann das übrigens auch daran liegen, dass sie in der publizistisch-politischen Society anders formuliert wird. Und zwar: Wann tritt Angela Merkel ab? Freiwillig - ohne dass sie sich wie ihre Vorgänger dem Risiko einer Ablösung durch ihre Partei oder einer Abberufung durch die Wähler aussetzt.

Um beide Versionen der Frage mit einer Antwort zu verbinden, Frage Nummer drei: Ist es wahrscheinlich, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel, nachdem er für die zweite große Koalition mit Merkel seine Mitglieder fragen musste, das Bündnis unter Führung von, sagen wir Ursula von der Leyen, erneuert? Einfach so? Eher nicht.

Eine bessere Gelegenheit gibt es für ihn nicht, erneut nach der Macht zu greifen. Merkel hätte die Geschäftsgrundlage geändert. Umso besser könnte er versuchen, auf ebenfalls neuer Geschäftsgrundlage ins Kanzleramt einzuziehen.

Wenigstens ein festes Datum gibt es: Merkels 60. Geburtstag

Sie meinen, dazu brauchte er die Linke, und die sei noch nicht regierungsfähig? Oder auch dies Problem anders formuliert: Die SPD mache doch eine so schreckliche Politik, dass die Linke sie nie und nimmer mittragen könne.

Warten wir doch mal die Landtagswahl in Thüringen ab, wo die SPD womöglich zum ersten Mal einen Politiker aus den Reihen der Linkspartei zum Ministerpräsidenten wählen wird. Spekulationen über Spekulationen.

Ein festes Datum gibt es allerdings: Am 17. Juli wird Angela Merkel 60 Jahre alt. Am Tag danach stellt sie sich den Fragen der Bundespressekonferenz. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn da nicht die in der ein oder anderen Form die Frage gestellt würde: Frau Bundeskanzlerin, stimmt es, dass sie planen, noch vor der nächsten Bundestagswahl ihr Amt aufzugeben?

Die Angesprochene wird dem in der einen oder anderen Form eindeutig widersprechen und damit eine Diskussion darüber anzetteln, wie eindeutig denn ihr Dementi gewesen sei.

Auch wenn „Der Spiegel“ und andere hochmögende Blätter das Gegenteil behaupten: Niemand weiß derzeit, auf welchen Tag Angela Merkel das Ende ihrer Kanzlerschaft angesetzt hat – außer ihr selbst (und ihrem Ehemann Professor Joachim Sauer). Wahrscheinlich wissen es nicht einmal die beiden. Denn die nächste Wahl ist noch eine Weile hin. Und jener glückliche Moment, den die alten Griechen „kairos“ nannten, lässt sich schlecht planen.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, warum ein Rückzug Merkels nur aus heiterem Himmel kommen kann.