Washington - Der Auftritt vor einem Jahr hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Beim G7-Gipfel auf Sizilien entstieg Melania Trump der gepanzerten Limousine in einem ebenso atemberaubenden wie seltenen Outfit: Der farbenprächtige Kurzmantel mit aufgenähten Stoffblumen vom Designerhaus Dolce & Gabbana hatte schlappe 51.000 Dollar gekostet. Nörgler fanden das ein bisschen übertrieben angesichts der Kürzungen ihres Mannes im Gesundheitswesen. Die Modewelt war begeistert.

Melania Trump wird ihren Mann nicht nach Kanada begleiten

Wenn Donald Trump am Freitag beim G-7-Gipfel im kanadischen Quebec eintrifft, werden ihm solche Diskussionen erspart bleiben. Entgegen dem üblichen Protokoll wird ihn seine Frau nicht begleiten. Auch bei dem angestrebten Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am nächsten Dienstag in Singapur wird die 48-Jährige fehlen. Inzwischen ist es 25 Tage her, dass sich Melania zuletzt in der Öffentlichkeit zeigte. Am Wochenende hat sie an einem Familienausflug des Präsidenten samt seiner Töchter Ivanka und Tiffany, dem ältesten Sohn Donald Jr., Schwiegersohn Jared Kushner und diverser Enkel nach Camp David nicht teilgenommen. Kein Wunder, dass längst auch seriöse Medien fragen: „Wo ist Melania?“

Die Faktenlage ist dünn. Umso wilder schießen Spekulationen und Verschwörungstheorien ins Kraut. In der Öffentlichkeit trat die First Lady zuletzt am 10. Mai auf, als sie mit ihrem Mann drei freigelassene US-Gefangene aus Nordkorea begrüßte. Vom 14. bis 19. Mai unterzog sie sich nach Angaben des Weißen Hauses einer Nierenoperation im Krankenhaus und kehrte anschließend in den East Wing zurück.

In der vergangenen Woche wurde von ihrem Twitter-Account eine eigenartige Botschaft versandt: „Ich sehe, dass die Medien Überstunden machen, um darüber zu spekulieren, wo ich bin und was ich mache“, hieß es dort. Ihr gehe es gut, sie sei im Weißen Haus und arbeite hart „für das Wohl von Kindern und des amerikanischen Volkes“.

Ist Melania Trump krank?

Doch der Tweet verfehlte die erhoffte beruhigende Wirkung. Politbeobachter merkten sofort an, dass dies kaum die Sprache des slowenischen Ex-Models, wohl aber die ihres Ehemanns sei, der offenbar bei der Formulierung zumindest mitgearbeitet habe. Spaßvögel formulierten auf einem Satire-Account die Nachricht so um, dass die Anfangsbuchstaben der Zeilen das Wort „Help“ (Hilfe!) ergaben.

Inzwischen überschlagen sich die Spekulationen: Ist Melania schwerer krank, als es das Weiße Haus einräumt? Hat sie ihren lieblosen Ehemann wegen dessen Affären endlich verlassen und ist mit Sohn Barron zurück nach New York gezogen? Wurde sie ins Zeugenschutzprogramm von Russland-Sonderermittler Robert Mueller aufgenommen?

Zumindest die letzte Mutmaßung dürfte sich nun zerschlagen, denn für Montagabend wurde kurzfristig Melania Trumps Teilnahme an einem Empfang für die Hinterbliebenen von gefallenen US-Soldaten im Weißen Haus angekündigt. Allerdings sollte die Veranstaltung hinter verschlossene Türen stattfinden. Die Medien blieben ausgesperrt.

Hut als moralisches Statement

So wird das Rätsel um Trumps dritte Ehefrau immer mysteriöser. Aber vielleicht ist genau das von der First Lady gewollt. Beim Besuch des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron vor sechs Wochen hatte Melania ihren Mann mit einem weißen Hut samt imposanter Krempe in den Schatten gestellt. Nicht nur Vanessa Friedman, die Moderedakteurin der New York Times, fühlte sich damals an Olivia Pope erinnert. Die unkonventionelle Polit-Krisenmanagern aus der Erfolgsserie „Scandal“ trug den weißen Hut bewusst als moralisches Statement: Trotz aller fragwürdigen Praktiken wähnte sie sich auf der Seite der Guten.