London - Die Party war lang und fröhlich, der Schock in der Morgenstunde für Dominique Harrison-Bentzen umso ernüchternder. Ihr Kredit auf der Sim-Karte war abgelaufen, eine Bankkarte hatte sie nicht dabei, plötzlich stand die 22-Jährige ohne Bargeld oder funktionierendes Handy im Ortszentrum des nordenglischen Preston (Grafschaft Lancashire). „Da wurde ich ein bisschen panisch“, erinnert sich die Studentin an den Abend zu Monatsbeginn. Bis ein Obdachloser auf sie zukam – und eine Weihnachtsgeschichte in Gang setzte, die auf der Insel viele Herzen wärmt.

Barmherziger Samariter

Denn Robbie, wie er sich vorstellte, griff in die Tasche und bot Dominique sein letztes Geld an. Es waren lediglich drei Pfund, umgerechnet 3,79 Euro. Aber damit könne sie wenigstens ein Taxi rufen und ein Stück weit kommen, sagte der Mann. Die Studentin bedankte sich herzlich, nahm das Geschenk aber nicht an, wie sie am Mittwoch der BBC sagte: „Ich kann doch einem Obdachlosen nicht das letzte Geld nehmen.“ Irgendwie kam sie dann doch nach Hause – und begann alsbald eine mehrtägige Suche nach ihrem barmherzigen Samariter.

Vier Tage und Nächte lang war Harrison-Bentzen in Begleitung ihrer Mutter auf den Straßen der alten Industriestadt unterwegs. „Kalt und feucht“ sei es gewesen, sagt sie, „aber ich will mich nicht beschweren: Die Obdachlosen müssen das jeden Tag aushalten.“ Die Suche nach Robbie förderte erstaunliche Begegnungen zu Tage. Immer wieder traf der Suchtrupp auf andere Menschen, denen der Obdachlose geholfen hatte. „Einem hatte er die Brieftasche zurückgegeben, einem anderen seinen Schal angeboten“, notierte die Studentin im Internet.

Schließlich fand sie den Wohltäter. Er sei seit sieben Monaten auf Platte, berichtete er; die Jobsuche gestalte sich schon deshalb schwierig, weil alle Arbeitgeber stets nach einer festen Wohnadresse fragten. Da beschloss Harrison-Bentzen, Robbie zu helfen. Sie verbreitete die Geschichte auf einer Spenden-Website und bat um Beiträge von jeweils drei Pfund. Das Ziel der energischen Wohltäterin: 12 500 Pfund. Bis Mittwochmittag waren weit mehr als 20 000 Pfund zusammengekommen, die Website brach unter dem Ansturm weiterer Hilfswilliger zusammen.

Hilfsangebote zuhauf

Und nun? Um das Leben von Obdachlosen besser nachvollziehen zu können, will Harrison-Bentzen 24 Stunden mit Robbie unterwegs sein. „Dann soll er ein festes Dach über den Kopf bekommen“, findet die Studentin. Aber wie sie den großen Rest des Geldes verwenden will, darüber muss sie erst einmal nachdenken. „Da gibt es ja noch viele andere, denen wir helfen müssen. Weihnachten ist die richtige Zeit, um an andere zu denken.“

Die Geschichte vom bisher unbekannten Obdachlosen und der Studentin hat Menschen weltweit gerührt, auf der Insel überschlagen sich die Hilfsangebote. Harrison-Bentzen rät zu praktischen Schritten: „Wenn die Leute sich nur mal die Zeit nehmen, mit einem Obdachlosen zu sprechen – vielleicht bringt sie das zum Nachdenken“.