Während man sich in Berlin nach dem Anschlag von St. Petersburg schwer tat, das Brandenburger Tor für ein Zeichen der Solidarität zu nutzen, reagierte die Stadt Dresden kurzfristig auf den Terror in der Partnerstadt. Der Kulturpalast im Herzen der Stadt wurde am Dienstagabend in den russischen Farben rot und blau angeleuchtet. Das Gebäude aus den sechziger Jahren, das mit seiner Glasfassade zu DDR-Zeiten als hochmodern galt, erstreckt sich breit an der Front des Altmarkts.

Die Reaktion darauf sind anscheinend überwiegend positiv. So schreibt die „Leipziger Volkszeitung“: „Nach dieser Vorgeschichte muss selbst der gutmütigste und deutschenfreundlichste Russe den Eindruck bekommen, in Berlin werde mit zweierlei Maß gemessen. Dass es auch anders geht, zeigte die sächsische Landeshauptstadt Dresden gestern Abend.“

Seltsame Begründung in Berlin

Der Berliner Senat hatte sich gegen eine Solidaritätsbeleuchtung seines Wahrzeichens entschieden – mit der Begründung, St. Petersburg sei keine Partnerstadt Berlins. Man beleuchte des Brandenburger Tor nur noch in den jeweiligen Nationalfarben des Landes, wenn dies der Fall sei oder eine besondere Beziehung zu der Stadt vorliege. 

Mit dieser Argumentation brachte der Senat schnell die Öffentlichkeit gegen sich auf, denn auch nach den Anschlägen von Nizza oder Jerusalem wurde das Tor entsprechend beleuchtet. Es liege also keine besondere Beziehung zu Russland und St. Petersburg vor, folgerte man und witterte eine politische Entscheidung.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer forderte bei Facebook nach dieser Kritik, das Brandenburger Tor noch einmal mit den russischen Farben anzustrahlen, bevor man zur neuen Regelung übergehe. Diese restriktivere Auslegung solle künftig dazu dienen, eine Hierarchisierung der Opfer zu vermeiden. (red)