London - US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Staatsbesuch in Großbritannien zu einer fairen Lastenteilung in der Nato aufgerufen.

Kritik an Deutschland in der Vergangenheit

„Alle Mitglieder des Bündnisses müssen ihre Verpflichtungen erfüllen“, sagte Trump am Dienstag nach einem Treffen mit der scheidenden britischen Premierministerin Theresa May bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in London. Einige Mitglieder täten das nicht. „Das können wir nicht zulassen.“ Trump erwähnte keine Länder namentlich.

In der Vergangenheit hat der US-Präsident in diesem Zusammenhang immer wieder Deutschland kritisiert. Trump wirft der Bundesregierung vor, die selbstgesteckten Ziele der Nato bei Verteidigungsausgaben nicht zu erfüllen. Trump und First Lady Melania waren am Montag zu einem dreitägigen Staatsbesuch im Vereinigten Königreich eingetroffen.

Trump hält Freihandelsabkommen mit Großbritannien für möglich

Auf der Pressekonferenz sagte Trump auch, er halte ein großangelegtes Freihandelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien in naher Zukunft für möglich. „Die USA fühlen sich verpflichtet zu einem phänomenalen Freihandelsabkommen“, sagte Trump. Der gemeinsame Handel könne um das zwei- oder dreifache ausgeweitet werden.

Die USA und Großbritannien hätten bisher ausländische Investitionen im jeweils anderen Land von über einer Billion Dollar. Beide Länder seien jeweils der größte Auslandsinvestor im anderen Staat. „Es gibt ein riesiges Potenzial“, sagte Trump. „Alles wird auf den Tisch kommen.“ Trump schloss ausdrücklich das Nationale Gesundheitssystem der Briten, den National Health Service (NHS), mit ein. Eine Privatisierung des Gesundheitswesens gilt in Großbritannien als höchst umstritten.

Experten gehen davon aus, dass vor allem der Finanzsektor beider Länder mit den weltgrößten Finanzzentren in der Londoner City und der New Yorker Wall Street auf einen solchen Deal spekuliert. Offizielle Verhandlungen können allerdings erst beginnen, wenn Großbritannien die EU verlässt. Auch ein Verbleib in der Zollunion wäre für solche Pläne hinderlich.

Theresa May lobt Freundschaft mit USA

Theresa May lobte in der gemeinsamen Pressekonferenz die „kostbare und tiefgreifende Freundschaft“ zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Die beiden Länder teilten demokratische Werte und Interessen, sagte May.

Sie hob aber auch Differenzen zu Trump hervor. So stehe Großbritannien zum Atom-Deal mit dem Iran und zum Pariser Klimaabkommen. Beide Verträge hatte der US-Präsident einseitig aufgekündigt.

Trumps Verhältnis zu May wurde immer wieder erschüttert von dessen öffentlicher Kritik am Brexit-Kurs der Regierungschefin und Sympathiebekundungen für ihren innerparteilichen Widersacher Boris Johnson.

Trump legte kurz vor seiner Ankunft zu einem Staatsbesuch in Großbritannien in Interviews mit britischen Zeitungen noch einmal nach. Am Freitag will May ihren Parteivorsitz abgeben. Bis Ende Juli soll sie von ihrem Nachfolger auch als Regierungschefin abgelöst werden. Ein gutes Dutzend Bewerber ist bereits angetreten. (dpa)