Elon Musk will nicht mehr für Ukraine-Internet zahlen: Ging Melnyk am Ende zu weit?

Zum Friedensplan des Tesla-Chefs für die Ukraine sagte der ukrainische Botschafter, Musk solle „sich verpissen“. Das tut er jetzt. Mit schweren Folgen.

Kostet Melnyks Beleidigung des US-Milliardärs die Ukraine ein kriegswichtiges Satelliten-System?
Kostet Melnyks Beleidigung des US-Milliardärs die Ukraine ein kriegswichtiges Satelliten-System?dpa

Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX will die Kosten für den kriegswichtigen Betrieb seines Satelliten-Internetdienstes Starlink in der Ukraine nicht mehr übernehmen. Einem US-Medienbericht zufolge schlug die Firma vor, das Pentagon solle einspringen. Am Freitagmorgen deutscher Zeit äußerte Elon Musk sich auch persönlich zu dem Vorgang und begründete die Entscheidung mit den „Empfehlungen“ des scheidenden ukrainischen Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk.

Der hatte auf Musks Friedensplan für die Ukraine kürzlich sehr aggressiv reagiert. Musk solle „sich verpissen“ („fuck off“), ließ Melnyk wissen. Jetzt hat der amerikanische Multi-Milliardär erklärt, beim Ende der Finanzierung von Starlink in der Ukraine würde man einfach dieser „Empfehlung“ des Ukrainers folgen.

Ein Ende der Unterstützung durch Starlink hätte dramatische Auswirkungen auf die Fähigkeit der Ukraine, militärische Aufklärung im Kriegsgebiet zu leisten. Sollte Musk nicht nur die Zahlungen einstellen, sondern auch den Service einschränken, selbst wenn andere Geldgeber gefunden würden, dürfte das den Kriegsverlauf zu Ungunsten der Ukraine beeinflussen.

SpaceX hatte das Ende der Finanzierung am Donnerstag in einem Brief an das US-Verteidigungsministerium wie folgt erläutert: „Wir sind nicht in der Lage, weitere Empfangsanlagen an die Ukraine zu spenden oder die bestehenden Terminals auf unbestimmte Zeit zu finanzieren“, zitierte der Sender CNN daraus. 

Wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar hatte Tech-Milliardär Musk seinen Starlink-Dienst in der Ukraine aktiviert und später die nötigen Empfangsanlagen geliefert. Das System stellt schnelle Internet-Verbindungen über eigene Satelliten her. In Gebieten, in denen es aufgrund zerstörter Infrastruktur keinen Zugang zu Mobilfunk und Internet mehr gibt, dient es sowohl Zivilisten als auch dem ukrainischen Militär als zentrales Kommunikationsmittel.

In dem Brief von SpaceX hieß es laut CNN weiter, der Betrieb koste bis Ende des Jahres mehr als 120 Millionen Dollar (rund 122,6 Mio Euro). In den kommenden zwölf Monaten seien es fast 400 Millionen Dollar. Im Juli habe der ukrainische Oberbefehlshaber Waleryj Saluschnyj fast 8000 zusätzliche Starlink-Terminals angefordert, schrieb CNN unter Berufung auf weitere Dokumente.

Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge hatten ukrainische Truppen jüngst Ausfälle von Starlink-Geräten an der Frontlinie gemeldet. Demnach spielt das System bei den seit Wochen laufenden Gegenoffensiven des ukrainischen Militärs eine zentrale Rolle. Als Reaktion twitterte Musk: „Was auf dem Schlachtfeld passiert, ist vertraulich.“ Anfang Oktober hatte er zudem mit einem Vorschlag für Aufsehen gesorgt, wonach die Ukraine die Krim an Russland abtreten und für andere Gebiete im Süden und Osten des Landes ein Referendum unter Aufsicht der UN abgehalten werden sollte.