Foto: Stasi Archiv

BerlinDer Fernsehturm, gerade 50 Jahre alt geworden, eignete sich in den Augen der DDR-Staatssicherheit als geeigneter Ausguck, ganz im Sinne ihres Spitznamens „Horch & Guck“. Bevor sie mit Teleobjektiven Menschen und Autokennzeichen in der Umgebung des Turms zwecks Überwachung fotografierte, wurden ausführliche Versuche angestellt.

Foto: Stasi Archiv

Die Stasi-Unterlagenbehörde BStU hat die 1983 gemachten Probeaufnahmen und die 1984 erstellte Analyse der Ergebnisse, die sogar geeignete Methoden zur Entwicklung der Kleinbildfilme umfasste, nun online gestellt.

Foto: Stasi Archiv

Fotografiert wurde von einer in 241 Meter Höhe befindlichen Außenplattform über der Kugel. Dabei fanden die Fotospezialisten heraus, dass Gesichter von Passanten bei Sonne und klarer Sicht bis zu einer Entfernung von 800 Metern identifiziert werden konnten. Nummernschilder waren sogar noch lesbar, wenn sich das Auto 1,2 Kilometer weit entfernt befand. Damals war das eine technische Herausforderung. Geknipst wurde mit Pentacon- und Praktika-Kameras aus DDR-Produktion. Aufgesetzt wurden Objektive von Carl Zeiss Jena und Pentacon, aber auch ein Tokina-Objektiv aus Japan.

Spezielles Nikon-Objektiv im Einsatz

Die Stasi-Fotografen bemängelten allerdings, dass das besonders leistungsfähige Zeiss-Spiegelobjektiv zusammen mit dem notwendigen Stativ 25 Kilogramm wog und nicht recht handhabbar war, das japanische Produkt hingegen nicht einmal ein Pfund wog.

Offenbar dachten Agenten vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) daran, ein spezielles Nikon-Objektiv zu erwerben. Man meint, beim Lesen dieser Zeilen die Seufzer des Autoren hören zu können: „Nach unseren Informationen ist zur Zeit noch keine Diensteinheit des MfS im Besitz dieses Objektivs, was wohl im hohen Anschaffungspreis begründet ist.“

Leider koste das japanische Wunderwerk der Optik 17 000 Westmark, schrieben sie in ihrem Abschlussbericht. Auch die Filme wurde getestet: Hierbei neigte man weniger den heimischen Orwo-Fabrikaten zu, eher dem englischen Ilford-Produkt, das mit 5,60 D-Mark pro Kleinbildfilm günstig zu haben sei.

Videoaufzeichnungen Fotografien unterlegen

Ausprobiert wurde auch die fast nagelneue Videotechnik. Dabei stellte das MfS fest, dass die Erwartung, dass Videoaufzeichnungen Fotografien unterlegen seien, durch die Versuche bestätigt wurde. Die Auflösung von Fernsehbildern, die zur Auswertung mit weiterer Qualitätsverschlechterung hätten auch noch abfotografiert werden müssen, reiche zum Lesen von Autokennzeichen nicht aus. Welche Technik am Ende von der Staatssicherheit verwendet wurde, ist noch nicht geklärt. Überliefert ist auch nicht, wie die Stasi-Leute beim Fotografieren oberhalb der Turm-Kugel über die „Rache des Papstes“ dachten.

Gedanken aber hatte sich die Staatssicherheit machen müssen: Das Licht-Kreuz, das bei Sonnenschein auf der Metallverkleidung der Kugel erschien und dem Turm auch den Spitznamen „St. Walter“ (Ulbricht) einbrachte, war der DDR-Führung zuwider. Untersuchungen des MfS, ob „Sabotage“ bei der Montage für den Lichteffekt verantwortlich war, blieben jedoch ergebnislos.

Das Stasi-Papier mit den Fotos kann man hier einsehen.