Steigende Corona-Zahlen: So hart wird der Winter für Ungeimpfte

Die Rufe nach einem Lockdown für Ungeimpfte bis hin zu einer Impfpflicht in bestimmten Berufen werden lauter.

Politiker fordern mehr Einschränkungen für Menschen, die sich nicht immunisieren lassen wollen.
Politiker fordern mehr Einschränkungen für Menschen, die sich nicht immunisieren lassen wollen.dpa/Rolf Vennenbernd

Berlin-Die Politik verstärkt den Druck auf Ungeimpfte. Zur Debatte stehen verschärfte Maßnahmen – wie die Ausweitung von 2G und 3G, auch im Job und im öffentlichen Leben. Außerdem ploppen immer wieder Forderungen nach einer Impfpflicht in bestimmten Berufen hoch. Anlass ist unter anderem der Corona-Ausbruch in dem Seniorenheim in Schorfheide mit elf Toten. Dort waren 50 Prozent des Personals ungeimpft.

„Wir erleben vor allem eine Pandemie der Ungeimpften – und die ist massiv“, warnte am Mittwoch Noch-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Bundespressekonferenz. Mit Bezug auf die Tragödie in dem Brandenburger Seniorenheim sagte er, er verstehe „den Frust vieler Pflegekräfte sehr gut, warum sich nicht noch mehr impfen lassen“. Spahn wollte sich allerdings nicht auf eine Impfpflicht für gewisse Berufsgruppen festlegen lassen: Moralisch sehe er eine Impfpflicht – wie beispielsweise in Pflege- oder medizinischen Berufen. Doch befürchte er, dass bei einer Impfpflicht beispielsweise viele Pfleger den Beruf verlassen würden. Er beobachte Spannungen in der Gesellschaft, die nicht zur Spaltung führen dürften.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält dagegen eine Impfpflicht für Pflegekräfte im Falle von zu hohen bundesweiten Ungeimpftenzahlen bei Mitarbeitenden in Pflegeeinrichtungen für denkbar. Um eine solche Entscheidung in Erwägung zu ziehen, müssten aber bundesweit präzise Impfquoten aus den Einrichtungen vorliegen.

Spahn fordert verbindliche Corona-Tests für Pflegeheime

Dennoch sieht es derzeit nicht nach einer Impfpflicht für gewisse Berufe aus. Trotzdem dürfte es in diesem Winter für Ungeimpfte ungemütlich werden. Spahn will am Donnerstag bei der Gesundheitsministerkonferenz des Bundes und der Länder bundesweite Maßnahmen auf den Tisch legen – dazu zählen, dass die Abstands- und Hygieneregeln weiterhin „konsequent“ eingehalten werden müssten, ebenso die 3G- oder 2G-Regeln. Spahn forderte, etwa in Restaurants und anderen Einrichtungen strenger zu kontrollieren und Verstöße zu bestrafen. Für Pflegeheime sollten bundesweit strengere und einheitliche Testvorschriften gelten. Personal und Besucher müssten dort auf das Coronavirus getestet werden, selbst dann, wenn sie geimpft seien. Das fordert ebenso der Sozialverband VdK. Präsidentin Verena Bentele: „Eine solche Pflicht ist unabhängig vom Impfstatus dringend notwendig. Es muss darum jetzt schnell gehandelt werden.“

Außerdem warb Spahn erneut für Booster-Impfungen. Seit August habe es nur zwei Millionen solcher Impfungen gegeben, „das reicht nicht“, sagte Spahn. Er bekräftigte seinen Vorschlag, dass die Länder wieder Impfangebote machen müssten – diese könnten auch dezentral und in kleineren Einrichtungen erfolgen. Auf eine Auffrischimpfung solle jeder, der will, sechs Monate nach Ende der ersten Impfserie Anspruch haben. Damit widersprach Spahn erneut den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stik), derzeit nur Über-70-Jährige, Risikopatienten sowie Pflegern zu Boostern.

Marburger Bund für einen „Lockdown light“ für Ungeimpfte

Auch Angela Merkel will wohl mehr Einschränkungen für Ungeimpfte – angeblich plant sie 3G am Arbeitsplatz, in der Freizeit sogar 2G. Der Ärzteverband Marburger Bund forderte ebenso einen „Lockdown light“ für Ungeimpfte. 2G sollte der Standard in allen Bereichen des öffentlichen Lebens sein, beispielsweise in der Gastronomie und in Museen. Das hieße, dass Ungeimpfte dort keinen Zutritt mehr haben.

Die Debatte hat an Fahrt aufgenommen, weil seit Wochen die Inzidenzen steigen. Derzeit sind 67 Prozent der Menschen vollständig geimpft, mehr als 30 Prozent sind nicht immunisiert.