Das gab es noch nie: einen Bundespräsidenten, der den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion glasklar beschreibt. Frank Walter Steinmeier sprach über Millionen ermordeter Kriegsgefangener, die Vernichtung Tausender Dörfer, das Aushungern sowjetischer Großstädte. Er mied das Verharmlosungsgeschwätz, mit dem die Schuld auf „DIE Nationalsozialisten“ abgewälzt wird, und sagte: „Es lastet auf uns, dass es unsere Väter, Großväter und Urgroßväter sind, die an diesen Verbrechen beteiligt waren. (…) Es lastet auf uns, dass wir den Opfern viel zu lange die Anerkennung verwehrten.“

Einer meiner Großväter war wehruntauglich, der andere hatte 1914 bis 1918 als Batteriechef die französischen Linien beschossen. Als 60-jähriger Hauptmann meldete er sich 1941 freiwillig. Drahtig, wie er war, gelangte er bis zu den westlichen Straßenbahnhaltestellen Moskaus. Doch im Winter 1941/42 wurde er altershalber zurückbefohlen. Ich erinnere mich an seinen Kommentar: „So konnten wir den Krieg natürlich nicht gewinnen.“

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