BerlinMit Baustellen sind Deutschlands Autobahnen reich gesegnet. Zehntausend Kilometer Fahrbahn und mehr als eintausend Brücken sind dringend sanierungsbedürftig. Es passt ins Bild, dass auch die neue Autobahngesellschaft des Bundes als Sanierungsfall ihren Betrieb aufnimmt. Am 1. Januar ist es so weit. Dann beginnt für Geschäftsführer Stephan Krenz der Ernstfall, auf den er seit knapp zwei Jahren hinarbeitet.

Die Verantwortung für das deutsche Schnellstraßennetz lag bislang bei den Bundesländern. Diese Struktur galt schon lange als ineffizient. Vielleicht hätte man sie verbessern können, aber das Finanzministerium entwickelte vor fünf Jahren den Plan für einen großen Schnitt: Eine GmbH statt 16 Landesbehörden sollte künftig die Autobahnen verwalten, die Strecken unterhalten, Sanierungen und Neubauten planen.

In der Theorie klingt das nach einer guten Idee. In der Praxis muss Stephan Krenz erst einmal ein Knäuel aus unzähligen losen Fäden entwirren – für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gilt die Autobahn GmbH inzwischen als ähnliches Debakel wie die gescheiterte Pkw-Maut.

Formell unterstehen Krenz zwar mit Jahresbeginn rund 12.000 Mitarbeiter, von denen die meisten bislang in Diensten der Autobahnverwaltungen der Länder standen. Ihre Zusammenarbeit wird sich jedoch schwierig gestalten, die geplante gemeinsame IT-Infrastruktur gibt es bislang nicht. Seit Oktober steht fest, dass die Autobahn GmbH auch nicht die großen Bauvorhaben von der Bund-Länder-Gesellschaft Deges übernehmen kann. Der Bundesrechnungshof machte im Sommer verfassungsrechtliche Bedenken gegen die geplante Fusion geltend.

Stephan Krenz, der seine Laufbahn als Verkehrsmanager 1995 bei Bombardier begann und zuletzt den Regionalbahn-Dienstleister Abellio leitete, muss darum Aufbauarbeit im laufenden Betrieb leisten. Einen guten Start hatte er nicht. Für hoch dotierte Verträge von Führungskräften rüffelte ihn der Aufsichtsrat. Den Haushältern des Bundestags musste er erläutern, warum die Autobahn GmbH 1,8 Milliarden Euro pro Jahr für Verwaltungsaufgaben benötigt, 400 Millionen Euro mehr als geplant.

Es dürfte Jahre dauern, ehe die Autobahn GmbH funktioniert, wie sie soll. Stephan Krenz wird viel Geduld und politische Unterstützung brauchen, wenn er bis dahin auf seinem Posten durchhalten will.