Köln - Der Kölner Fernsehmoderator Jürgen Domian hat in einem Post auf seiner Facebook-Seite Alice Schwarzer für ihr Steuervergehen harsch kritisiert. Die Resonanz der Netzgemeinde ist gewaltig. Mehr als 22.000 Nutzer haben seinen Beitrag geliked, 2.500 haben ihn kommentiert.

Der WDR-"Nachtfalke" stößt sich vor allem an Schwarzers Rechtfertigung für ihr Schweizer Konto. Die Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" hatte gesagt, sie habe "in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen." Sie habe nie vorgehabt, das Geld anzurühren. Vielmehr habe das Vermögen zur Beruhigung gedient.

Domian kommentiert diese Äußerung mit viel Häme: "Wir, vorwiegend natürlich die Männer, die bösen deutschen Männer sind im Grunde Schuld daran, dass die arme Alice so eine Dummheit begangen hat, die ihr heute natürlich 'von ganzem Herzen' leid tut." Er schäme sich für jedes kritische Wort über Schwarzer und denke nun darüber nach, gemeinsam mit anderen deutschen Männern Selbstanzeige zu erstatten, fügt Domian ironisch an.

Weiter schreibt er: "Alice spendiert 1 Million Euro und will eine gemeinnützige Stiftung gründen. Die Gute! Die Hundekuchengute! Woher aber hat sie eigentlich so viel Kohle? Das Kampfblatt Emma wirft niemals solche Gewinne ab."

Auch Jörg Kachelmann stänkert gegen die Frauenrechtlerin. Der Wettermoderator, gegen den Schwarzer während dessen Gerichtsverfahrens im Jahr 2011 eine Art Feldzug geführt hatte, twitterte am vergangenen Sonntag ein chinesisches Sprichwort: "Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen." Dass er damit Alice Schwarzer gemeint haben dürfte, zeigen seine weiteren Tweets.

„Als Schweizer ist es mir besonders unangenehm, Geld einer Person mit der kriminellen Energie von Frau #Schwarzer im Land gehabt zu haben“, schreibt er unter seinnem Profil @J_Kachelmann. "Leute die mit Steuerkriminalität zu tun haben, werden ja oft rückfällig. Ich hoffe, das Gericht wird mich akkreditieren bei #Schwarzer." Und dann wird Kachelmann richtig böse: „Aber woher hatte #Schwarzer diese Millionen? Provision für jede Abtreibung?“

Alice Schwarzer hatte am Sonntag eingeräumt, in den 1980er Jahren ein Schweizer Konto eröffnet und anfallende Zinsen nicht versteuert zu haben. Sie hatte sich daraufhin selbst angezeigt und 200.000 Euro an Steuern plus Säumniszinsen nachbezahlt.

Doch Schwarzer gab sich bislang kaum reumütig. Vielmehr sucht sie ihr Heil in der Flucht nach vorne. Die Berichterstattung im "Spiegel", der das Vergehen in seiner aktuellen Ausgabe enthüllt, nahm sie zum Anlass, Medienschelte zu üben. "So ein Schritt ist auch ein Dammbruch für die Medien. Mit einem Präzedenzfall Schwarzer wird in Sachen Persönlichkeitsschutz die eh schon tiefe Latte noch niedriger gehängt. Illegal? Persönlichkeitsverletzung? Na und!", polterte die Kölnerin auf ihrer Webseite. Sie habe zwar auch einen Fehler gemacht, räumt sie ein. Doch viel wichtiger sei: "Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Zum Beispiel Rufmord."

Ihr Anwalt sieht das ähnlich. Eine korrekte Selbstanzeige könne durch "offenbar nicht zu verhindernde Denunzierungen und Durchstechereien" zu einem "medialen Tsunami für den Betroffenen" führen, sagte Medienrechtler Christian Scherz.

(ksta)