Steuerbetrug: Mehr Steuersünder zeigen sich selbst an

Gerade mal einen Monat ist es her, dass die Selbstanzeige des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung öffentlich bekannt wurde. Seitdem verbuchen die Finanzbehörden einen leichten Anstieg bei den Selbstanzeigen, was aber auch mit dem Ankauf einer neuen Steuersünder-CD zusammenhängen kann. In Bayern beispielsweise gingen nach Auskunft des Finanzministeriums zwischen dem 1. April und dem 15. Mai 380 Anzeigen ein, so viele wie sonst üblicherweise in einem Quartal. In Berlin offenbarten sich seit Anfang des Jahres schon 225 reuige Steuersünder dem Finanzamt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2012 machten in der Hauptstadt 303 Steuerzahler reinen Tisch.

Anders als in Niedersachsen, wo der Landesfinanzminister von einem Hoeneß-Effekt spricht und für die ersten sechs Monate des Jahres mit 1000 Selbstanzeigen rechnet, spüren die Finanzbehörden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bislang keine großen Folgen der Selbstanzeige des prominenten Fußballmanagers. So zeigten sich im Südwesten Deutschlands in den vergangenen vier Wochen 383 Steuerzahler wegen ihrer bislang verschwiegenen Konten in der Schweiz und Liechtenstein an, das entspricht den üblichen Zahlen.

Länder haben hohe Einnahmen

Aber ganz gleich, ob es nun tatsächlich einen Hoeneß-Effekt gibt, für den Staat lohnt sich jede Selbstanzeige. So brachten die reuigen Sünder dem notorisch klammen Berlin in diesem Jahr bereits ein Steuerplus von sechs Millionen Euro ein. Richtig viel Geld versprechen sich die Finanzminister von der Auswertung der von Rheinland-Pfalz vor Kurzem gekauften Steuer-CDU. Bislang sei ein Prozent ausgewertet und an die einzelnen Bundesländer zur Prüfung gegeben worden, sagte der niedersächsische Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD). Er verspricht sich von jedem der in Niedersachsen überprüften Fälle ein Potenzial von mindestens einer Million Euro.

Viele Fahnder sind skeptisch

Trotzdem sehen nicht wenige Steuerfahnder die strafbefreiende Selbstanzeige kritisch. „Ich habe in meinem ganzen Berufsleben noch nie erlebt, dass sich einer aus schlechtem Gewissen selbst angezeigt hat. Es war immer die konkrete Angst vor Entdeckung, weil man den Leuten auf die Schliche gekommen war, die zur Selbstanzeige geführt hat“, sagt ein Fahnder.

Ganz grundsätzlich gilt, dass vor allem mit jedem Kauf einer Steuersünder-CD die Zahl der Selbstanzeigen deutlich steigt. Das wurde vor allem im Jahr 2010 deutlich, als in der Öffentlichkeit ausführlich über den Ankauf gestohlener Steuerdaten von 1 500 Bürgern mit Schweizer Konten debattiert wurde.

Allein in Baden-Württemberg kamen die Finanzbehörden mit der Prüfung der Selbstanzeigen kaum noch nach. Damals hatten sich in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 5.800 Steuerflüchtlinge selbst angezeigt, die ihr Geld am deutschen Fiskus vorbei in der Schweiz und in Liechtenstein angelegt hatten.