Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) will Alleinerziehende steuerlich besserstellen. Außerdem sollen Eltern direkt nach der Geburt Anspruch auf eine zweiwöchige vergütete Freistellung des Partners oder der Partnerin bekommen. „Wir werden die Situation von Alleinerziehenden verbessern, etwa bei der Steuer. Wir werden Eltern in ihrer partnerschaftlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Anfang an besser unterstützen“, sagte die Ministerin der Berliner Zeitung.

Die gegenwärtige Unzufriedenheit und Ungeduld junger Eltern beschreibt die Berliner Zeitung aktuell in der Serie „Familie und Job – die größten Lügen“. Lisa Paus will den Status quo verändern: „Wir investieren in mehr Qualität in der Kinderbetreuung und frühkindlichen Bildung. Wir als Bundesregierung haben uns vorgenommen, die Familienpolitik und Gleichstellung ein gutes Stück voranzubringen.“

Mit einer vergüteten Freistellung von zwei Wochen für Partner oder Partnerin im Anschluss an die Geburt soll es vor allem Vätern erleichtert werden, ihre Erwerbstätigkeit zu unterbrechen, um sich nach der Geburt voll und ganz ihrer Familie zu widmen.

Beim Elterngeld ist zur Stärkung der partnerschaftlichen Vereinbarkeit geplant, die Partnermonate um mindestens einen Monat zu erhöhen. Auch diese reservierten Partnermonate, die bei Nichtinanspruchnahme verfallen, zielen auf das Engagement der Väter. Außerdem werde der besondere Kündigungsschutz in der Elternzeit um drei Monate verlängert, hieß es, um den Wiedereinstieg in den Beruf abzusichern. Das nehme Druck von den Familien, so eine Sprecherin.

Die Weiterentwicklung der Qualität der Kindertagesbetreuung bezeichnet das Bundesfamilienministerium als zentrales Anliegen. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig eine gute und verlässliche Kindertagesbetreuung für die Kinder und ihre Familien sei. Das Gute-Kita-Gesetz soll auf Grundlage von Monitoring und Evaluation fortgesetzt und bis Ende der Legislaturperiode gemeinsam mit den Ländern in ein Qualitätsentwicklungsgesetz mit bundesweiten Standards überführt werden. Derzeit laufen Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung.

Starke Rolle der Familienpolitik

Im Haus von Lisa Paus ist gerade eine 84-seitige Studie zu Familienleben und Familienpolitik in Ost- und Westdeutschland fertig geworden. Diese Studie liegt der Berliner Zeitung exklusiv vor. Betrachtet wird darin die unterschiedliche Familienpolitik in Ost und West und deren Folgen bis heute.

Deutlich wird in diesem Papier, wie stark Familienpolitik Rahmenbedingungen setzt und wie groß die Wirkung auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. Der immense Einfluss erstreckt sich in der Folge bis hin zu Rollenbildern und gesellschaftlichem Wandel. Das zeigt diese Untersuchung deutlich.

Als Schlüssel zum Erfolg beschreibt die Studie eine herausragende und kostengünstige Kinderbetreuung sowie familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Und noch eine wichtige Erkenntnis gibt es: Unterschiede bleiben bisher bei der Erwerbstätigkeit ost- und westdeutscher Mütter. Ostdeutsche Mütter kehren nach der Geburt eines Kindes schneller in den Beruf zurück, und sie arbeiten auch öfter Vollzeit. Der Anteil an Paaren, die sich Hausarbeit und Kinderbetreuung nach eigenen Angaben gleichmäßig aufteilen, ist im Osten höher als im Westen. Was von Vorteil ist.

Lisa Paus: „Es bleibt für diese Regierung noch viel zu tun“

Bundesfamilienministerin Lisa Paus zieht Schlussfolgerungen für ihre Arbeit. „Die Studie zeigt: Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde in Ost und West sehr unterschiedlich gehandhabt. Während in der Bundesrepublik das Familienmodell mit einem männlichen Ernährer und einer Hausfrau dominierte, galt in der ehemaligen DDR die Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern als soziale Norm und wurde politisch gefördert“, sagte sie der Berliner Zeitung.

Heute wüssten wir aber auch: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betreffe beide Elternteile. „Viele Väter nehmen inzwischen zumindest zwei Monate Elternzeit, und Mütter haben die Möglichkeit, nach der Geburt ihrer Kinder in ihren Beruf zurückzukehren – beides ist gesellschaftlich akzeptiert. Frauen können finanziell unabhängig sein. Aber es bleibt für diese Regierung auch noch viel zu tun“, sagte Paus.