Die Deutsche Bank soll in die Geschäfte mit Steueroasen verwickelt sein und interessierten Kunden über ihre Filiale in Singapur weitergeholfen haben, wie der NDR berichtet. Auch die Schweizer Banken mischen nach Recherchen der Sonntags-Zeitung kräftig mit. In Deutschland wollen alle Parteien die Anstrengungen verstärken, um die Schlupflöcher zu stopfen. Nur wie? Ein Überblick über die diskutierten Instrumente:

Internationale Zusammenarbeit: Darauf setzt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). In den G 20, dem Zusammenschluss der weltweit 20 bedeutendsten Volkswirtschaften, habe die Bundesregierung schon viel erreicht. „Wir müssen den Druck verstärken“, kündigt Schäuble an.

Europäische Union: Viel wäre schon erreicht, wenn die EU-Länder besser kooperieren würden. Eine EU-Zinsrichtlinie schreibt vor, dass beispielsweise Frankreich automatisch Deutschland informieren muss, wenn Bundesbürger bei Pariser Banken Zinserträge beziehen. Zwei Staaten, Luxemburg und Österreich, entziehen sich jedoch dieser Pflicht zum Informationsaustausch und nutzen Ausnahmeregeln. „Ich hoffe, dass der Widerstand jetzt schwächer wird“, sagt Schäuble.

Grenzüberschreitender Informationsaustausch: Dies ist generell der Schlüssel im Bemühen, Steuerflucht zu erschweren. Die nationalen Behörden müssen Kenntnis erlangen von den steuerpflichtigen Aktivitäten ihrer Bürger im Ausland erhalten. Dafür schließt Deutschland Abkommen auch mit Steueroasen ab, etwa Liechtenstein, der Isle of Man oder den Cook-Inseln. Allerdings verpflichten diese häufig nur zur Preisgabe von Informationen, wenn die deutschen Finanzämter einen konkreten Anfangsverdacht nachweisen können. Sie bleiben hinter dem OECD-Standard zurück, der automatische Informationspreisgaben ohne spezielle Anfrage vorsieht.

Deutsches FBI: Auch dieser Vorschlag kommt vom Bundesfinanzministerium, genauer gesagt vom Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU). Nach dieser Idee müssten die Länder bei den großen Fällen ihre Zuständigkeit an den Bund abtreten. Übernehmen könnte das Bundeszentralamt für Steuern mit Sitz in Köln, das laut Kampeter als „FBI gegen internationale Steuerhinterziehung“ arbeiten sollte. Aus Sicht der Länder ist das keine gute Idee, dem Bund neue Kompetenzen zu geben.

Mehr Personal: Dies fordert, nicht als einziger, Thomas Eigenthaler, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft. Die Länder hätten in den vergangenen zehn Jahren Stellen in den Finanzverwaltungen abgebaut. Dabei brächten Betriebsprüfer und Steuerfahnder mehr Geld ein als sie kosteten.

Zwang I: Durch Reformen im Unternehmensteuerrecht sollten Banken haftbar gemacht werden, die bei Steuerflucht helfen, regt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an. Alle Finanzhäuser, die nicht kooperieren, müssen ihre Geschäfte in der EU einstellen - dies hält der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold für sinnvoll. Diese Methode wenden die USA mit dem Facta-Gesetz erfolgreich an. Die Zeit sei reif für ein europäisches Facta, erklärt Giegold.

Zwang II:Auf den Lizenzentzug für alle Banken aus den Steueroasen drängt die Linkspartei. Sie fordert zudem eine Quellensteuer von 50 Prozent auf Dividenden, Zinsen und Lizenzabgaben, die von Deutschland in diese Staaten fließen.

Auf die Hilfe der Medien können die Ermittlungsbehörden nicht hoffen. Sowohl der NDR als auch die Süddeutsche Zeitung lehnten es ab, ihre Unterlagen herauszugeben.