Steve Bannon
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Die Verhaftung von Steve Bannon ist ein schwerer Schlag für US-Präsident Donald Trump. Sein früherer Chefstratege ist am Donnerstag überraschend festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und drei weiteren Beschuldigten die Unterschlagung von Hunderttausenden Dollar an Spendengeldern vor. Er habe Gelder für den Bau der Mauer zwischen den USA und Mexiko gesammelt und für „persönliche Ausgaben“ verwendet.

Bannon war Trump in dessen erstem Wahlkampf zu Hilfe geeilt: Als Trump aussichtslos hinter Hillary Clinton lag, verordnete Bannon der Kampagne eine eindeutige Fokussierung auf einen „ökonomischen Nationalismus“, der schließlich in Trumps Slogan „America first!“ mündete. Der Herausgeber der ultrarechten Website Breitbart News und frühere Banker von Goldman Sachs positionierte Trump als Retter der Amerikaner, der sie vor der drohenden „Überfremdung“ retten sollte. Diese sei von den „Globalisten“, der „Partei von Davos“, bewusst herbeigeführt, um das Land mit billigen Arbeitskräften zu fluten.

Schließlich steuerte Bannon, ein ehemaliger Angehöriger der Marines, den inneren Zirkel des Präsidenten. Doch dann verließ Bannon die Truppe, um, wie er selbst sagte, Trump von außen noch wirksamer unterstützen zu können. Der frühere Filmproduzent definierte die Kommunistische Partei Chinas als die größte Gefahr für die Welt. Trump eröffnete einen offenen Handelskrieg gegen Peking. In der Pandemie spricht Trump von Corona als dem „China-Virus“.

Bannon versuchte nach seinem Abgang aus dem Weißen Haus, eine globale Allianz der „Populisten“ zu schmieden, die die etablierte Politik ablösen sollten. Nachdem allerdings sein Freund Matteo Salvini von der Lega sang- und klanglos aus der italienischen Regierung verschwand, erlahmte Bannons Interesse an der Welt. Innenpolitisch ist an seine Stelle die skurrile „QAnon“-Bewegung getreten, die die Welt von Satanisten beherrscht und Trump als den Erlöser sieht. Der Präsident äußerte sich bei einer Pressekonferenz in Washington am Mittwoch erstmals zu der Bewegung und bekundete unverhohlen seine Sympathie: „Sie mögen mich offenbar sehr, was ich zu schätzen weiß“, sagte Trump. Bannon hat nach seinem unrühmlichen Abgang gute Chancen, in den Stand eines Märtyrers der Bewegung erhoben zu werden.