Washington - Der frühere Wall-Street-Banker Steven Mnuchin ist neuer US-Finanzminister. Mnuchin legte am Montag vor US-Vizepräsident Mike Pence den Amtseid ab. Der Kandidat von US-Präsident Donald Trump war zuvor mit 53 Stimmen bei 47 Gegenstimmen vom Senat bestätigt worden. Trump lobte sein neues Kabinettsmitglied bei der Vereidigung als „Finanzlegende mit einer Rekordgeschichte an Erfolgen“.

Banker-Vergangenheit umstritten

Mnuchin ist wegen seiner Banker-Vergangenheit umstritten. Im Wahlkampf hatte Trump Verbindungen der Politik zur Bankenwelt der Wall Street scharf kritisiert. Bei der abschließenden Abstimmung im Senat verweigerte die große Mehrheit der oppositionellen Demokraten dem umstrittenen 54-jährigen ehemaligen Manager der Investmentbank Goldman Sachs ihre Zustimmung.

Der Demokrat Joe Manchin aus West Virginia war der einzige, der mit den Republikanern stimmte. Das Nominierungsverfahren hatte sich wegen starken Widerstands der Demokraten gegen Mnuchin verzögert.

Boykott durch Demokraten

Anfang Februar kam es im zuständigen Senatsausschuss sogar zum Boykott des Verfahrens durch die Demokraten. Die Republikaner setzten Mnuchin letztlich jedoch durch, indem sie in einem beispiellosen Schritt die geltenden Ausschussregeln aufhoben, wonach mindestens ein Demokrat bei der Abstimmung hätte anwesend sein müssen.

Mnuchin gilt als Kind der Wall Street. Schon sein Vater arbeitete jahrzehntelang als Manager für Goldman Sachs. Mnuchin stieg dort nach dem Studium an der Elite-Universität Yale ein. Er arbeitete 17 Jahre lang für die Investmentbank und verdiente dutzende Millionen Dollar. Später gründete er seinen eigenen Hedgefonds, Dune Capital. Als wendiger und geschickter Investor wurde er zu einem der großen Profiteure der Immobilienkrise.

Mnuchins Praktiken umstritten

Zusammen mit anderen Kapitalgebern kaufte Mnuchin die abgestürzte Hypothekenbank Indymac vom Staat auf - wobei die Behörden einen großen Teil der Verluste des Finanzinstituts übernahmen. Fünf Jahre später wurde die in OneWest umgetaufte Bank für einen Milliarden-Betrag an die CIT-Gruppe weiterverkauft. Der OneWest-Deal war ein Riesengeschäft für die Investoren.

Mnuchins Praktiken bei der Bank waren allerdings umstritten. Er sah sich Vorwürfen ausgesetzt, Eigenheimbesitzer gezielt in die Zwangsvollstreckung getrieben zu haben, um dann Ausgleichszahlungen von der Einlagensicherungsbehörde FDIC zu kassieren. Mnuchin wies diese Vorwürfe zurück. (afp)