La Paz - In Bolivien wird es nach ersten Ergebnissen der Präsidentenwahl zu einer Stichwahl zwischen dem linken Staatschef Evo Morales und dem gemäßigt konservativen Bewerber Carlos Mesa kommen. Morales führte nach Auszählung von 30 Prozent der Stimmen mit 45,1 Prozent gegen 39,9 Prozent für Mesa, wie die Wahlkommission am Montag bekanntgab.

„Wir haben noch einmal gewonnen“, sagte Morales am Sonntagabend (Ortszeit) vor dem Präsidentenpalast in La Paz. Er rechne noch mit einem Sieg in der ersten Wahlrunde mit der vollständigen Auszählung der Stimmen vor allem aus ländlichen Bezirken. Morales hatte die drei vergangenen Präsidentenwahlen mit absoluter Mehrheit gewonnen.

Ausgang einer Stichwahl ungewiss

Für einen Sieg in der ersten Wahlrunde sind entweder eine absolute Mehrheit der Stimmen oder mindestens 40 Prozent mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf den nächsten Rivalen erforderlich. Morales (59) bewirbt sich für eine vierte Amtsperiode in Folge seit 2006. Der Journalist Mesa (66) war bereits Staatschef von 2003 bis 2005. Ein möglicher Termin für eine Stichwahl wäre der 15. Dezember.

Der Ausgang einer Stichwahl erscheint nach der laufenden Auszählung ungewiss. Den dritten und vierten Platz belegen zwei konservative Bewerber, die zusammen 12 Prozent der Stimmen bekamen. Beide erklärten sich bereit, im Falle einer Stichwahl Mesa zu unterstützen.

Vorwürfe der Manipulation von Mesa

Mesa warnte am Montag vor einer Manipulation der Wahlergebnisse, als die Wahlkommission die Veröffentlichung der Auszählung aussetzte. „Wir haben einen unwiderruflichen Sieg erreicht“, erklärte Mesa zu dem vorläufigen Ergebnis, das ihm den Weg zur Stichwahl freigibt.

Mesa könnte von dem Unmut gegen Morales' Umgehung des Verbots einer neuen Wiederwahl profitieren. Im Februar 2016 scheiterte Morales zunächst mit dem Versuch, das Grundgesetz per Referendum zu ändern, um seine erneute Wiederwahl zu genehmigen. Später ließ er sich jedoch eine vierte Kandidatur durch das Verfassungsgericht genehmigen.

Morales genießt starke Popularität

Dieses juristisch-politische Manöver löste eine Protestbewegung aus, die selbst am Wahltag noch öffentlich zum Ausdruck kam. Rund hundert Menschen wurden am Sonntag in Santa Cruz de la Sierra festgenommen, als sie gegen die erneute Kandidatur von Morales protestierten.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, genießt trotz autoritärer Züge seiner Regierung eine starke Popularität. Ein Grund ist das robuste und anhaltende Wirtschaftswachstum von jährlich über vier Prozent. Wegen eines Preisrückgangs für Erdgas, Boliviens wichtigstes Exportgut, sind jedoch die Devisenreserven des Andenlandes in den vergangenen Jahren stark gesunken. Wenn das aktuelle Handelsdefizit bleibt, könnte es zu einer Finanzkrise kommen, warnen kritische Wirtschaftsexperten. (dpa)