Stig Larsson hat es mit seiner Millenium-Trilogie, in der ein Journalist und eine Hackerin die Hauptfiguren sind, zu Weltruhm gebracht. Er selbst hat das allerdings nicht mehr erlebt, er starb 2004 an einem Herzinfarkt. Was bislang nicht bekannt war: Auch außerhalb seiner Kriminalromane arbeitete Larsson an der Lösung eines Mordfalls – und zwar des wohl rätselhaftesten in der schwedischen Geschichte.

Er wollte den Mörder von Ministerpräsident Olof Palme finden. Der Sozialdemokrat war im Februar 1986 erschossen worden, als er mit seiner Frau ein Kino verlassen hatte. Der Täter ist bis heute unbekannt.

Kartons voller Recherchematerial

Larssons langjährige Nachforschungen zum Fall füllen 15 Umzugskartons – ein opulentes Archiv, das die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet nun in Teilen veröffentlicht hat. „Das Material war wohlgeordnet und befindet sich in einem sehr guten Zustand“, sagt der Journalist Jan Stocklassa, der seit drei Jahren zum Palme-Mord recherchiert und die Dokumente ausgewertet hat. „Es ist kein einziges Fax darunter, denn die verbleichen ja mit den Jahren.“

Wer ihm Zugang zu dem Lagerraum verschafft hat, in dem das Material war, sagt Stocklassa nicht. Larsson selbst ist 2004 mit 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, noch bevor seine Millenium-Trilogie auf den Markt kam und zum Welterfolg wurde. Bis zuletzt habe er an den Recherchen um Palme festgehalten, sagt seine Lebensgefährtin Eva Gabrielsson. Vor allem auch, weil hier Larssons große Themen ineinanderflossen: Als Journalist und Aktivist hatte er sich intensiv mit Rechtsextremismus in Schweden beschäftigt. Und in diese Kreise führten ihn auch seine Nachforschungen im Fall Palme.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, verdächtigte Larsson einen schwedischen Ex-Offizier namens Bertil Wedin, der während der Apartheid beim südafrikanischen Geheimdienst anheuerte. Wedin galt als eine zentrale Figur in der rechtsextremen Szene Schwedens und war womöglich in Waffengeschäfte zwischen Schweden und Südafrika verwickelt. Ministerpräsident Palme kritisierte jedenfalls das Apartheid-Regime heftig.

Keine Verjährungsfrist

Larsson wurde bereits kurz nach dem Attentat, das sich am Freitag zum 28. Mal jährte, auf Wedin aufmerksam. Die Hinweise kamen von der britischen antifaschistischen Publikation Searchlight, für die Larsson als Autor tätig war, und die ihm als Vorbild für sein eigenes Magazin Expo diente. Searchlight wiederum bezog seine Informationen von einem MI6-Agenten, der Wedin aufgespürt hatte und als möglichen Verbindungsmann im Mordfall Palme einstufte.

Die Spur ins Südafrika der Apartheid, die jetzt diskutiert wird, ist nicht neu. Die Vermutung, der südafrikanische Geheimdienst sei in den Mord involviert gewesen, ging in den 90er-Jahren durch die schwedischen Medien. Neu ist allerdings die folgende Information: Larsson hatte den schwedischen Ermittlungsbehörden bereits 1987 Ergebnisse seiner Nachforschungen sowie den Namen Wedin zukommen lassen. Er lieferte somit die Basis für die Südafrika-Spur, berichtet das Svenska Dagbladet mit dem Verweis auf das Archivmaterial. Doch die Ermittler hielten sich damals zurück. Bis auf ein kurzes Telefonat mit Kriminalbeamten wurde Wedin nicht verhört.

Die Zeitung konfrontierte den mittlerweile 73 Jahre alten Mann nun mit den Anschuldigungen. Er befindet sich in der Republik Nordzypern, die keine Auslieferungsverträge mit anderen Ländern unterhält und von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt wird. Dorthin zog Wedin 1985, drei Monate vor dem Tod Palmes. „Ich habe nichts zu befürchten, wenn die Wahrheit herauskommt“, sagt er, „denn ich bin glücklicherweise nicht der Mörder“, sagte er. Die Ermittlungen gehen jedenfalls weiter. Denn 2010, rund ein halbes Jahr bevor der Fall Palme verjährt wäre, hat Schweden die 25-jährige Verjährungsfrist für Mord abgeschafft.