Bundeskanzlerin Angela Merkel legte einen Kranz in der Neuen Wache nieder.
Foto: Reuters-Pool/dpa/Hannibal Hanschke

BerlinDie Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass der 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa eher im kleineren Rahmen begangen wurde. In Paris, London und Moskau, wo am 9. Mai gefeiert werden sollte, waren die geplanten Veteranenmärsche und Paraden abgesagt worden.

In Berlin nahmen die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane an einer kurzen Gedenkfeier teil. Erst legten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der amtierende Bundesratspräsident Dietmar Woidke, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, Kränze in der Gedenkstätte Neue Wache nieder. Einziger Redner war der Bundespräsident, der die Befreiung als Auftrag zum Kampf für Freiheit und Demokratie würdigte.

Im Bezirk Friedrichshain gab es eine kleine private Feier an der Gedenktafel des ersten Stadtkommandanten Nikolai Bersarin, an der auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) teilnahm. Auch am Ehrenmal für die Sowjetsoldaten im Treptower Park legten Privatpersonen Blumen ab.

Der französische Präsident Emmanuel Macron legte am Pariser Boulevard Champs-Élysées zunächst einen Kranz an der Statue de Gaulles nieder, später dann am Grabmal des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen.

In London wollte die Queen um 21 Uhr eine Fernsehansprache halten. Zu dieser Uhrzeit hatte ihr Vater King George VI. im Jahr 1945 in einer Radioansprache den Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland verkündet. Geplant war zudem, dass Thronfolger Prinz Charles Auszüge aus dem Tagebuch des Königs vom Victory Day vorliest.

In Russland wurde die traditionelle Militärparade zum 9. Mai wegen des Coronavirus abgesagt. In Russland wird wegen der Zeitverschiebung traditionell am 9. Mai an das Kriegsende erinnert.

Wichtig ist, dass dieser Tag in seiner Einordnung auch in Deutschland richtig bewertet wird. Als Tag der Befreiung. Als Tag, den man tatsächlich feiern kann.  


Außenminister Heiko Maas über die Bedeutung des 8. Mai für Deutschland und sein Gedenken an den Zweiten Weltkrieg

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gedachte gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefonisch des Kriegsendes. Die beiden seien sich einig, dass „die Erinnerung an den Krieg und seine Schrecken für alle Zeit wach gehalten werden“ müsse, erklärte die Bundesregierung. Die Sowjetunion gilt als das Land, das im Zweiten Weltkrieg die mit Abstand meisten Opfer zu beklagen hatte.

Gedenkfeiern gab es auch in Belgien und Norwegen. In einer kurzen Zeremonie legten die belgischen Monarchen König Philippe und Königin Mathilde an einem Denkmal im Zentrum der Hauptstadt Brüssel Blumen nieder und hielten eine Schweigeminute ab. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bezeichnet das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren als Befreiung Europas aus den dunkelsten Stunden. Auch in Norwegen wurde der Befreiung gedacht. Am 8. Mai 1945 hatte mit der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands auch die Besatzung Norwegens geendet.

Anders als etwa in Frankreich ist der 8. Mai in Deutschland in diesem Jubiläumsjahr nur in Berlin ein Feiertag. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, unterstützt die Forderung nach einem festen bundesweiten Feiertag am 8. Mai. „Dies ist vor allem deshalb wichtig, da unsere Erinnerungskultur angegriffen wird, es immer weniger Zeitzeugen gibt und wir neue Formen des Erinnerns finden müssen“, sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das Auschwitz-Komitee hatte bereits im Januar die Einführung des bundesweiten Feiertages gefordert, Politiker von Grünen und Linken hatten sich ebenfalls dafür ausgesprochen.

Außenminister Heiko Maas äußerte er sich zurückhaltender. „Ob man daraus gleich einen gesetzlichen Feiertag macht, das muss im Parlament diskutiert werden. Das ist für mich nicht die entscheidende Frage“, sagte er. „Wichtig ist, dass dieser Tag in seiner Einordnung auch in Deutschland richtig bewertet wird. Als Tag der Befreiung. Als Tag, den man tatsächlich feiern kann. Und der uns daran erinnert, was wir an Leid über die Welt gebracht haben und welche Verantwortung sich für uns alle heute daraus ergibt.“

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht war am 8. Mai 1945 der von Hitler-Deutschland entfesselte Krieg in Europa zu Ende gegangen. Insgesamt kamen, je nach Schätzung, zwischen 55 und mehr als 60 Millionen Menschen ums Leben. Darunter waren auch etwa 6 Millionen europäische Juden, die die Nationalsozialisten in ihrem Rassenwahn ermordeten.