Feierliches Gelöbnis in der Schule für Feldjaeger und Stabsdienst der Bundeswehr in der Emmich-Cambrai Kaserne.
Foto: imago images/localpic

BerlinDer neue Freiwilligendienst der Bundeswehr, den  Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in Berlin vorgestellt hat, soll die Truppe verstärken und junge Leute für eine Armeekarriere begeistern. Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hält den Plan für unausgereift und ungeeignet.

Berliner Zeitung: Frau Strack-Zimmermann, die Bundeswehr leidet unter Personalmangel – kann der neue „Freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz“ helfen?

Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Dass sich die Bundesregierung Gedanken darüber macht, wie man Soldatinnen und Soldaten gewinnen kann, ist gut. Der Weg, den die Verteidigungsministerin jetzt geht, ist allerdings unpassend. Sechs Monate militärische Ausbildung, sechs Monate Reserve – da frage ich mich: Was sollen diese Männer und Frauen in der Zeit eigentlich machen? Und wer soll sie überhaupt ausbilden? Die Bundeswehr hat dafür gar nicht die Kapazitäten und das Material. Es fehlt daran ja schon für die Berufssoldaten. Das Ganze wirkt auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Dahinter verbirgt sich der Versuch, eine Art Wehrpflicht durch die Hintertür einzuführen.

Aber der Dienst soll ja freiwillig bleiben …

Die Freiwilligkeit haben wir ja jetzt schon. Sie können heute schon als junger Mensch freiwillig für ein Jahr oder länger zur Bundeswehr gehen. Insofern bedürfte es gar nicht eines weiteren Schrittes. In der CDU hat man aber das Gefühl, das Thema komme bei der Bevölkerung gut an, also machen sie es einfach mal. Das ist ein Wahlkampfmanöver. Verteidigungspolitik sollte aber nicht Spielball von Wahlprogrammen sein, sondern immer gesamtpolitisch gesehen und letztlich im Parlament besprochen werden. Im Verteidigungsausschuss war das freiwillige Dienstjahr nicht einmal Thema.

Was wäre denn ein gangbarer Weg, um junge Leute für eine Karriere bei der Bundeswehr zu begeistern?

Es gibt genügend Bewerbungen, aber eben nicht genügend, die den Anforderungen entsprechen. Die Bundeswehr ist eine hochspezialisierte Armee geworden, es werden bestimmte Fähigkeiten gesucht. Wenn man mehr junge Männer und Frauen für die Bundeswehr gewinnen will, dann geht das aber nur, wenn diese einsatzbereit ist. Wenn jemand zur Luftwaffe will, dann müssen die Materialien natürlich auch funktionieren. Einsatzbereitschaft ist Attraktivität. Wir hatten lange einen großen Verlust von Flugausbildern, weil das Fluggerät nicht funktionierte und die Ausbilder Gefahr liefen, ihre Lizenz zu verlieren, weil sie nicht mehr regelmäßig fliegen konnten. Wenn weiter daran gearbeitet wird, dass genug Material da ist, dass die Leute entsprechend ausgebildet werden, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass sich genug Männer und Frauen finden, die bereit sind, zur Bundeswehr zu gehen. Denn sie ist an sich ein attraktiver Arbeitgeber. Darauf sollte sich die Verteidigungsministerin konzentrieren, statt der Bundeswehr immer neue Aufgaben aufzuhalsen, die sie in dieser Form nicht mehr leisten kann.

Zur Person

Marie-Agnes Strack-Zimmermann wurde 1958 in Düsseldorf geboren. Von 2013 bis 2019 war sie stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende. Sie ist Vorsitzende der FDP Düsseldorf und verteidigungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag.