Streit in Flüchtlingsheim in Suhl: Koran in der Toilette runtergespült

Dresden - Ein Flüchtlingsheim am Friedberg in Suhl, eine ehemalige NVA-Kaserne. Kurz nach acht Uhr am Mittwochabend passiert es: Ein junger Mann aus Afghanistan, mit anderen im Streit über „Religionsfragen“, wie die Polizei später mitteilen wird, zerreißt den Koran, wirft Seiten daraus ins Klo und spült sie weg. Etwa 30 Aufgebrachte versuchen, den Mann zu lynchen. Der flieht ins Büro der Sicherheitsleute, die Angreifer bewaffnen sich mit Knüppeln, Stangen und Stuhlbeinen und verwüsten das Büro. Steine und Flaschen fliegen, Fenster gehen zu Bruch. Die Polizei wird gerufen, die Polizisten werden angegriffen und organisieren Verstärkung aus Erfurt.

Draußen vor dem Flüchtlingsheim geht es weiter: Steine fliegen, Autos werden demoliert, ein Fernsehteam des MDR wird angegriffen. Kurz vor zwei Uhr hat sich die Lage beruhigt, die Polizei zieht Bilanz: Es gab 15 Verletzte, darunter vier Polizisten. 125 Beamte waren im Einsatz, darunter ein Spezialkommando. Außerdem neun Ärzte und 90 Sanitäter und Feuerwehrleute. Die Polizei hat den Mann aus Afghanistan in Schutzgewahrsam genommen.

Es ist nicht der erste Gewaltausbruch in dem Suhler Heim. Anfang des Monats gab es schon einmal eine Massenschlägerei mit 80 Beteiligten während eines Fußballspiels. Auch damals musste ein Großaufgebot an Polizisten eingreifen.

Ex-Kaserne ist überbelegt

Die ehemalige Kaserne bietet Platz für 1200 Flüchtlinge, sie ist deutlich überbelegt. Zurzeit sind dort 1700 bis 1800 untergebracht. Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel hat mehrfach beklagt, das Heim sei überfüllt, es gebe außerdem schwere Baumängel und ernstzunehmende Sicherheitsprobleme. Er plädierte mehrfach dafür, Flüchtlinge getrennt nach Religion und ethnischer Herkunft unterzubringen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), unterstützt diesen Vorschlag. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangt nach den Ausschreitungen und angesichts steigender Flüchtlingszahlen einen sofortigen Krisengipfel in Berlin. „Die Krawalle in Suhl müssen die Politik alarmieren. Überfüllte Unterkünfte, qualvolle Enge ohne jegliche Privatsphäre schaffen schon bei der kleinsten Kleinigkeit Konflikte, die schnell in Gewalt umschlagen können“, warnte GdP-Bundeschef Jörg Radek. Der Leidensdruck der Flüchtlinge sei noch nicht an den Kabinettstischen wahrgenommen worden.

Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) sieht nach Suhl eine rote Linie überschritten. Der Vorfall werde Konsequenzen haben, sagte er. Religiöse Konflikte dürfen keinesfalls mit Gewalt ausgetragen werden. Welche Konsequenzen, das ließ er offen. Mischt ein Flüchtling bei Krawallen im Heim mit, hat das keinen Einfluss auf seinen Ayslstatus, teilte das Bundesamt für Migration auf Anfrage mit. „Grundsätzlich haben Ausschreitungen oder Straftaten keine Auswirkungen auf das laufende Asylverfahren.“