Wütende Frauen demonstrieren am Sonntag in Paris für Gleichberechtigung. Die Demo blieb friedlich. 
Thibault Camus/ AP Photo

ParisAm Vorabend einer Demonstration anlässlich des Frauentages in der französischen Hauptstadt ist es am Wochenende zu  Auseinadersetzungen zwischen der  Polizei und Demonstrantinnen gekommen. Auf zahlreichen, im Internet veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie vorwiegend männliche Polizeibeamte gegen die normal gekleideten und nicht vemummten Frauen vorgehen und dabei ihre Schutzschilde sowie vereinzelt auch Schlagstöcke einsetzen. Die französische Staatssekretärin Marlène Schiappa sagte, sie sei „schockiert“, nachdem sie einige der Bilder gesehen hatte.  

Auf den in sozialen Netzwerken veröffentlichten Videos ist weiterhin zu sehen, wie Frauen am Rande der Demo rund um den Place de la République geschubst, unsanft zu Boden gebracht und teilweise an den Haaren gezogen werden. In einer U-Bahn-Station werden weitere Frauen von Polizisten in voller Kampfmontur eine Treppe hinuntergezerrt, mindestens eine Frau kommt dabei zu Fall und wird mehrere Stufen hinuntergeschleift. Ein User, der das Video im Netz verbreitet, fragt ungläubig: „Sind wir noch in Frankreich?“

Keine Angriffe auf Polizei dokumentiert

Mehrere Menschen behaupten auf Twitter zudem, was teilweise auch auf den Videos zu sehen ist: Zumindest äußerlich gibt es keine Anzeichen dafür, dass die von der Polizei angegriffenen Frauen militanten Gruppierungen angehören und ihrerseits die Konfrontation gesucht hatten. Sie sind nicht vermummt, sind nicht uniform in Schwarz gekleidet. Zudem sind keine Stein- sowie Flaschenwürfe oder andere Angriffe auf die Polizeikräfte zu sehen.

Innenminister Christophe Castaner hatte nach den Vorfällen bei der Pariser Polizeipräfektur umgehend einen Bericht zu den Vorfällen  angefordert, sagte Staatsekretärin Schiappa in einem Fernseh-Intererview.  Zudem sagte Schiappa laut der Zeitschrift „Valeur“, es müsse „allen Frauen möglich sein, friedlich für ihre Rechte zu demonstrieren“.

Allerdings sagte Schiappa auch, dass die Polizei nach eigenen  Angaben „punktuell eingreifen“ musste, um mögliche Attacken auf die Einsatzkräfte zu unterbinden. Zudem habe bei den Vorfällen in der U-Bahn-Station „eine feindliche Atmosphäre gegenüber der Polizei“ geherrscht. Weiterhin hätten die Demonstranten sich den Anweisungen der Polizei „auch physisch widersetzt“. 

UN-Kommissarin für Menschenrechte zeigt sich besorgt

Immer wieder gerät Frankreichs Polizei wegen ihres harten Vorgehens bei Demonstrationen in die Kritik. Michelle Bachelet, Menschenrechtschefin der Vereinten Nationen, hatte vergangenes Jahr gesagt, sie sei „besorgt über die Repression von Demonstrierenden in  Venezuela, Frankreich und im Sudan“.

Der Verein Reporter ohne Grenzen sagt zudem: „Bei Demonstrationen werden Medienschaffende oft zum Ziel von Beleidigungen, Drohungen sowie von Gewalt seitens Demonstrant*innen und Polizei.“  

Blendgranaten und Gummigeschosse

Anders als in Deutschland darf die französische Polizei bei Demonstrationen auch Blendgranaten und die gefürchteten Gummigeschosse einsetzen. Erst Ende November 2019 hatte das französische Innenministerium einen Großauftrag für neue Gummimunition ausgeschrieben. Die Geschosse werden mit etwa 300 Stundenkilometern abgeschossen. Der Aufprall auf den menschlichen Körper entspricht in etwa der Wucht eines 20 Kilogramm schweren Betonbrockens, der aus einem Meter Höhe fallengelassen wird. 

Am vergangenen Wochenende verzichteten die eingesetzten Polizeikräfte zwar auf den Einsatz dieser umstrittenen Waffen. Dennoch ist die Debatte um die gelebte Brutalität der französischen Polizei im europäischen Mutterland der Demonstrationen erneut entbrannt.