Streit um die A100: Warum es nichts bringt, die Autobahn zu verlängern

Auf dem Papier sieht die Trasse nach Friedrichshain und Lichtenberg nicht schlecht aus. Doch auch dieses Projekt gehört zur Kategorie verlorene Liebesmüh. Ein Kommentar 

Autobahn in die Hölle: Dieses Graffiti war im Sommer 2022 auf der Baustelle des 16. Bauabschnitts der A100 nahe der Kiefholzstraße in Treptow zu sehen. Ende 2024 soll hier der Verkehr rollen.
Autobahn in die Hölle: Dieses Graffiti war im Sommer 2022 auf der Baustelle des 16. Bauabschnitts der A100 nahe der Kiefholzstraße in Treptow zu sehen. Ende 2024 soll hier der Verkehr rollen.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Oft gehört, gern gehört. Wirklich? In diesem Fall sicher nicht. Denn es handelt sich um ein Thema, das fast nur schlechte Laune erzeugt und die Menschen verlässlich gegeneinander aufbringt. Gut möglich, dass dies der eigentliche Zweck der leidigen Debatte ist, die das bislang von der CSU, nun von der FDP geleitete Bundesverkehrsministerium immer wieder aufs Neue in die Stadt hineinträgt.

Es geht um den Plan, die A100 über Treptow hinaus nach Friedrichshain und Lichtenberg zu verlängern. Zumindest auf dem Papier sieht es wie ein sinnvolles Verkehrsprojekt aus. Der Betrachter bekommt den Eindruck, als würde es tatsächlich neue schnelle Verbindungen schaffen. So ist es kein Wunder, dass in früheren Jahrzehnten selbst progressive Senatsplaner dieser Idee einiges abgewinnen konnten.

Doch es wäre das erste Mal, dass dieses neue Stück Stadtautobahn nicht bald ebenfalls zugestaut würde. Wo der Verkehr erst einmal fließt, kommen immer mehr Fahrzeuge dazu. Bislang zeigen alle Erfahrungen, dass neue Infrastruktur nach einer gewissen Zeit dazu führt, dass der Ruf laut wird, noch mehr zu bauen – eine Spirale ohne Ende. Ein Beispiel ist der Katy Freeway in der texanischen Stadt Houston, der auf 26 Fahrstreifen angeschwollen ist, aber immer noch als Staufalle erster Güte gilt.

Die Spirale darf sich nicht mehr weiterdrehen

Damit ist absehbar: Wenn der 17. Bauabschnitt erst mal da ist, wird bald der Ruf nach einem 18., 19. und 20. Abschnitt lauter werden. Dabei kann von einer Entlastung der umliegenden Wohnviertel nicht die Rede sein, denn die A100 führt mitten durch sie hindurch – wie in Friedrichshain, wo in einer Wohnstraße ein Doppelstocktunnel geplant ist. Nicht nur, dass das Projekt, eine sechsstreifige Autobahn durch die dichtbesiedelte Stadt zu schlagen, so modern wie Schwarz-Weiß-Fernsehen ist. Die Erwartungen, die manch einer mit dieser Autobahn verknüpft, werden bald nach der Eröffnung Makulatur sein. Hoffentlich wird sie nie gebaut. Die Spirale darf sich nicht mehr weiterdrehen.