Mit großer Mehrheit hat das Europaparlament einem Verbot von Wergwerf-Artikeln aus Kunststoff zugestimmt. Allerdings sollen zunächst nur Produkte verbannt werden, für die es bereits Alternativen gibt. Wir erläutern, wie sinnvoll die Entscheidung ist.

Was wird verboten?

Es handelt sich um Alltagsprodukte wie Wattestäbchen, Strohhalme, Plastikgeschirr und - besteck oder Ballonhalter. Für viele dieser Artikel gibt es Alternativen aus Pappe oder Papier. Auch auf Mehrwegprodukte etwa bei Strohhalmen soll künftig stärker gesetzt werden. Wann die Einweg-Artikel aus dem Handel verschwinden, ist noch unklar. Denn zunächst muss mit den Mitgliedsstaaten der EU eine Einigung erreicht werden. Die Umweltminister wollen sich bis zum Jahresende auf eine Position verständigen. Danach verhandeln Vertreter des Parlaments, der EU-Kommission und der Staatsregierungen. Fraglich ist, ob die Bestimmungen bis zur Europawahl im Mai 2019 endgültig beschlossen werden können.

Was wollen EU-Kommission und Europaparlament mit den Verboten bewirken?

Ziel ist die Menge an Plastikmüll, der in den Meeren landet, zu verringern. Deshalb gehören auch alle Produkte, die man verbieten will, zu den zehn am häufigsten an Stränden gefundenen Gegenständen aus Plastik. Allerdings sind keineswegs alle von einem Bann betroffen. Etwa Plastikflaschen: Sie sind eines der größten Probleme beim Abfall, der in den Ozeanen treibt. Die leeren Gefäße sollen künftig separat gesammelt werden, und zwar mittels Pfandsystemen. Das Parlament will erreichen, dass 2025 etwa 90 Prozent der Pullen wiederverwertet werden.

Wie stark wird sich dadurch der Plastikmüll in den Meeren verringern?

Vermutlich gar nicht. Bestenfalls wird ein weiterer Anstieg leicht verringert. Derzeit treiben bereits 100 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Experten schätzen, dass jährlich zehn Millionen Tonnen hinzu kommen. Der Abfall stammt unter anderem von Schiffen. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig hat aber herausgefunden, dass die zehn großen Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht (acht in Asien, zwei in Afrika) für rund 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind. Darunter sind mehrere Flüsse in China, aber auch der Niger und der Nil in Afrika der Mekong (Vietnam) und der Ganges (Indien). In diesen Ländern wachsen die Volkswirtschaften sehr schnell. Die Müllentsorgungssysteme kommen nicht mit.

Wie steht es hierzulande um die Verwertung von Plastikmüll?

Die separate Sammlung von Verpackungsmüll über duale Systeme und das Pfandsystem bei Einweggefäßen für Getränke gelten international als vorbildlich. Unter anderem sind deshalb chinesische Firmen bei deutschen Entsorgungsunternehmen eingestiegen. Sie hoffen auf einen Knowhow-Transfer. Allerdings werden auch hierzulande keineswegs alle gebrauchten Verpackungen recycelt. Rund 40 Prozent des Grüne-Punkt-Mülls wird verbrannt. 

Bringt es überhaupt etwas, in Europa Plastik-Wattestäbchen zu verbieten?

Der Helmholtz-Forscher Christian Schmidt betont, dass die Vermüllung der Meere nicht in Europa, sondern in den betroffenen Schwellenländern gelöst werden muss. Gleichwohl begrüßt er die Initiative von EU-Kommission und Europaparlament. Sie diene dazu, die Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Und schließlich lande auch hierzulande noch immer viel Plastik in den Flüssen und damit früher oder später im Meer. Es handelt sich hierbei um das Phänomen des sogenannten Litterung: Was nicht mehr gebraucht wird, wird achtlos weggeworfen. Besonders fatal ist das bei Kunststofftüten, Folien und Plastikflaschen. Da sie besonders leicht sind, werden sie von Wind und Regen als „Blow Trash“ in die Fließgewässer betrieben. Umweltschützer gehen davon aus, dass das Littering in den vergangenen Jahren hierzulande deutlich zugenommen hat.

Warum werden so viele Produkte in Plastik verpackt?

Plastik bietet viele Vorteile. Das Material ist leicht und hält einiges aus. Mit Einwegflaschen etwa können Getränkehersteller ihre Kosten deutlich senken. Mit speziellen Verbundmaterialen können Gemüse oder Fleisch länger haltbar gemacht werden. Diese Materialen haben allerdings zugleich den Nachteil, dass das Recycling besonders problematisch ist.

Was können die Verbraucher tun?

Möglichst Produkte kaufen, die ohne Einwegverpackung auskommen. Also zum Beispiel die klassischen Mehrweg-Flaschen. Das Ersetzen von Plastiktüten durch Papiertüten ist allerdings keine gute Idee, weil nach Berechnungen von Umweltschützern für die Herstellung von Letzteren erheblich mehr Ressourcen verbracht werden als für die Tüten aus Kunststoff.