Berlin - Es ist nicht lange her, da bot sich den Prüfern oft ein schlimmes Bild: Wenn die Experten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) unangemeldet in einem Pflegeheim auftauchten, sahen sie immer wieder Bewohner, die wund gelegen waren, zu wenig aßen und tranken oder ohne rechtliche Grundlage mit Gittern oder Gurten im Bett festgehalten wurden. Noch immer gibt es diese Missstände. Doch der neueste Bericht der Prüfer – der mittlerweile vierte dieser Art– zeigt, dass sich die Situation in den Heimen und bei den ambulanten Pflegediensten in den vergangenen Jahren immer mehr verbessert hat.

Das zeigt sich unter anderem an den sogenannten „freiheitseinschränkenden Maßnahmen“. Während in der vorigen Prüfperiode 2009/2010 noch rund 140 000 Heimbewohner (20 Prozent) durch Bettgitter, Gurte oder geschlossene Türen in ihrer Bewegungsfreiheit behindert wurden, sank die Zahl 2013 auf rund 90 000 (12,5 Prozent). Das ist zwar immer noch ein Wert, den Kritiker für viel zu hoch halten. Häufig sind es allerdings gerade Familienmitglieder, die ihre Angehörigen durch Bettgitter vor Stürzen bewahren wollen. Die gesunkene Zahl der Freiheitseinschränkungen deutet nun darauf hin, dass immer mehr Heime auch andere Schutzmöglichkeiten anbieten, zum Beispiel flachere Betten.

Von Fortschritten berichtete MDK-Geschäftsführer Peter Pick auch bei der Ernährung. Rund 90 Prozent der Heimbewohner, die beim Essen die Hilfe der Betreuer oder besonders zubereitete Nahrungsmittel benötigen, bekamen diese Unterstützung auch. 2009/2010 waren es nur 80 Prozent. Ähnlich sieht die Entwicklung beim Trinken aus. Kassenverbands-Vorstand Gernot Kiefer wies allerdings darauf hin, dass noch immer jeder Zehnte betroffene Heimbewohner nicht richtig mit Essen und Trinken versorgt werde. „Wir sind weit davon entfernt, uns in der Frage der Pflegequalität ausruhen zu können“, sagte er.

Immer mehr Windeln und Katheter im Einsatz

Kritisch äußerte sich MDK-Chef Pick zur Inkontinenzversorgung (Blasenschwäche) der Pflegebedürftigen. Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass immer mehr Heimbewohner Windeln oder Katheter bekommen – was den Verdacht nährt, dass sich das Pflegepersonal auf diese Weise die Arbeit erleichtern will. Verbesserungsbedarf sahen die Prüfer auch bei der Schmerztherapie. Laut Prüfbericht wird ein Fünftel der Betroffenen unzureichend behandelt. „Mit einem modernen Schmerzmanagement könnte pflegebedürftigen Menschen viel Leid erspart werden“, sagte Pick. Kritisch in der ambulanten Pflege ist nach Angaben der Prüfer auch die Versorgung mit Medikamenten. So stimmten in etwa 15 Prozent der Fälle die verabreichten Medikamente nicht mit den vom Arzt verschriebenen Arzneimitteln überein.

Auch die schlechte Bezahlung der Altenpfleger kam zur Sprache. „Mehr Qualität, und das immer billiger – das funktioniert nicht“, sagte Kiefer. Wer gutes Pflegepersonal möchte, müsse es ordentlich bezahlen. Dass höhere Löhne die Beiträge in der Pflegeversicherung steigen lassen, sei die logische Konsequenz: „Es ist unangemessen, eine qualifizierte Pflegekraft auf dem Niveau des Mindestlohnes zu bezahlen.“