Wenn sich Eltern trennen, sind es die Kinder, die am meisten darunter leiden. Zu den gravierenden seelischen Folgen kommen in vielen Fällen auch noch erhebliche materielle Nachteile. Die Unterhaltspflicht ist zwar gesetzlich klar geregelt: Derjenige Elternteil, in dessen Haushalt die Kinder nicht aufwachsen, muss entsprechend seiner finanziellen Leistungsfähigkeit Unterhalt leisten – in 89 Prozent der Fälle sind die Mütter die Alleinerziehenden. Nur halten sich viele Väter nicht daran. Einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge erhält die Hälfte der Alleinerziehenden überhaupt keinen Unterhalt vom Ex-Partner für die Kinder, weitere 25 Prozent bekommen nur unregelmäßig Zahlungen oder weniger als den Mindestanspruch. Erschwerend kommt hinzu, dass Alleinerziehende, weil sie ja die Kinder betreuen müssen, oft nur in Teilzeit arbeiten können und dadurch relativ wenig verdienen. Das Einkommen reicht oft nicht aus, um den Lebensunterhalt für sich und den Nachwuchs zu bestreiten.

Fast jedes dritte Berliner Kind wächst nur mit Mutter oder Vater auf

Dadurch leben viele Kinder von Alleinerziehenden in Armut und sind auf staatliche Hilfeleistungen angewiesen: So wachsen in Deutschland laut der Studie 970 000 Kinder in einer Familie mit nur einem Elternteil auf, das Hartz IV bezieht. Insgesamt beziehen 37,6 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland Hartz-IV-Leistungen. In Berlin ist das Problem besonders akut: Hier erhalten mit 47 Prozent fast die Hälfte der Haushalte von Alleinerziehenden Hartz-IV-Leistungen. Das ist umso besorgniserregender, als in der Hauptstadt fast jedes dritte Kind nur mit Mutter oder Vater aufwächst. Damit ist der Anteil der Alleinerziehenden in Berlin höher als in jedem anderen Bundesland.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Betroffenen nun wenigstens ein bisschen entlasten. So können Alleinerziehende für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren bislang einen Unterhaltsvorschuss vom Staat bekommen, wenn der Ex-Partner seiner Pflicht nicht nachkommt. Diese Altersgrenze will Schwesig auf 14 Jahre anheben. Außerdem fordert Schwesig, dass der Unterhalt konsequenter eingefordert werden müsse. „Es kann nicht sein, dass sich einige Väter oder auch Mütter vor dem Unterhalt ihrer Kinder drücken und ihre Verantwortung allein auf den Staat schieben“, so die Ministerin.