Jugendliche und junge Erwachsene schauen einer Studie zufolge so optimistisch wie selten zuvor in ihre Zukunft, obwohl sie die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands durchaus skeptisch einschätzen. Sie sind so zuversichtlich, dass fast ein Drittel von ihnen Arbeitslosigkeit für sich strikt ausschließt, aber sorglos sind sie deswegen nicht. So wissen sie zum Beispiel, dass sie sich um ihre Altersvorsorge kümmern müssten; dennoch ist die Bereitschaft, genau das zu tun, nicht besonders ausgeprägt.

Das kann dramatische Folgen haben, wie die Autoren der Studie „Jugend. Vorsorge. Finanzen – Von der Generation Praktikum zur Generation Altersarmut?“ warnen. Die repräsentative Untersuchung des Jugendforschers Klaus Hurrelmann und Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks Metallrente, ist eine Neuauflage einer Befragung aus dem Jahr 2009. Damals wie heute wurden von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag von Metallrente 2500 Jugendliche im Alter von 17 bis 27 Jahren befragt.

Schon 2009 hatten neun von zehn Befragten ihre persönliche Situation als gut oder sehr gut eingeschätzt, inzwischen sind es sogar 95 Prozent. „Man kann wirklich sagen, so eine optimistische Generation haben wir selten gehabt“, bilanziert Klaus Hurrelmann. Beunruhigt sind die Wissenschaftler dagegen, dass die ohnehin schon geringe Bereitschaft, etwas in die eigene Vorsorge zu investieren, leicht rückläufig ist.

Trotz Optimismus kein Vertrauen

„Das bedeutet, dass die jungen Leute trotz ihres Optimismus kein Vertrauen haben“, sagt der Wissenschaftler, der an der Berliner Hertie School of Governance unterrichtet. Vor allem hätten sie kein Vertrauen, dass ihr angelegtes Geld angesichts von Finanz- und Eurokrisen auch in 40 Jahren noch sicher sei. Also gibt man es lieber für Bildung und Ausbildung oder Reisen aus. „Daraus ist eine sehr ernste Situation entstanden“, warnt Hurrelmann. Diese Generation unternähme viel zu wenig, um sich selbst abzusichern. Wenn sie in den Ruhestand gehen, wird ihnen die Rentenkasse voraussichtlich nur 43 Prozent ihres vorherigen Brutto-Einkommens zahlen, und das auch nur, wenn sie über 40 Jahre in die Versicherung eingezahlt haben.

Die Autoren schlagen Alarm. Es sei zu befürchten, dass große Teile der heutigen jungen Generation in Altersarmut rutschen könnten, heißt es in der Studie. Die jungen Erwachsenen seien darauf angewiesen, sich zusätzlich zu den gesetzlich garantierten Rentenansprüchen auch aus anderen Quellen wie einer betrieblichen Altersvorsorge abzusichern.

Die Wissenschaftler sprechen von einem pragmatischen Optimismus. Man glaube, das werde sich alles schon irgendwie regeln. „Im Grunde wird erwartet, dass der Staat in einer solchen krisenhaften Zeit eine größere Verantwortung übernimmt als er das jetzt tut“, erläutert Hurrelmann. Der Wissenschaftler will der jungen Generation deswegen keinen Vorwurf machen. Man könne nicht von 20-Jährigen, deren Arbeitsleben erst beginnt und die noch nicht einmal mit der Familiengründung angefangen haben, erwarten, dass sie sich um etwas Gedanken machen, was erst in 40 oder 50 Jahren eintritt.

Die Autoren fordern ein Umsteuern in der Rentenpolitik. Mit einfacheren Regeln und Angeboten allein sei es nicht getan. Viel wichtiger: Betriebliche und individuelle Altersvorsorge dürften nicht mehr freiwillig seien. Darauf zu setzen, dass die junge Generation von sich aus aktiv werde und für das Alter vorsorge, habe sich als nicht realistisch erwiesen.