Bis 2064 soll es laut einer Studie 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde geben.
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BerlinDie schlechte Nachricht zuerst: Wir werden immer mehr. Das ist nicht gut für die Umwelt und das Klima, es ist auch nicht gut für den Weltfrieden. Laut einer von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebenen Studie soll die Weltbevölkerung bis 2064 von derzeit 7,8 Milliarden Menschen auf 9,7 Milliarden ansteigen. Dann aber sei der Höhepunkt des Wachstums erreicht. Für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts ist eine spürbare Senkung der Bevölkerungszahl prognostiziert. Bis zum Ende des Jahrhunderts gebe es voraussichtlich 8,8 Milliarden Menschen auf der Erde – rund zwei Milliarden weniger als in bisherigen UN-Prognosen ausgewiesen waren. Die Berechnungen wurden gerade im Medizin-Fachblatt The Lancet veröffentlicht.

Die fallende Kurve ist allerdings keine gute Nachricht. In 183 von 195 Ländern werde die Geburtenrate so weit sinken, schreiben die Wissenschaftler, dass die Bevölkerungszahl ohne Einwanderung nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Mehr als 20 Länder, darunter Japan, Spanien, Italien und Polen, werden der Studie zufolge bis 2100 die Hälfte ihrer Bevölkerung verlieren. Selbst China müsse mit einem drastischen Bevölkerungsrückgang von derzeit 1,4 Milliarden auf rund 730 Millionen Einwohner bis zum Jahrhundertende rechnen.

Neue Zahlen, neue Konflikte. Stehen viele gesellschaftliche Fragestellungen derzeit im Zeichen eines „Zuviel“, woraus nicht zuletzt soziale Abgrenzung, die Forcierung von Ungleichheit und Ressentiments erwachsen, so bedarf es noch einer gesteigerten Vorstellungskraft, die Phänomene einer sich entleerenden Welt auszumalen. Und am Ende kann es ganz anders kommen. Es ist bald 50 Jahre her, dass der Club of Rome die Grenzen des Wachstums prognostiziert hat. So bedrohlich das damals schien, hat es doch zu keiner nennenswerten Abkehr von der Wachstumsideologie geführt.