Berlin - Es ist eine Studie mit gewaltigen Datenmengen. Fast 42.000 Menschen in 38 Ländern weltweit hat das unabhängige US-Forschungszentrum Pew Research aus Washington in der ersten Jahreshälfte 2017 zur ihrer Einstellung gegenüber der Demokratie befragt.

Zentrales Ergebnis der jetzt veröffentlichten Erhebung: Eine überwiegende Mehrheit (78 Prozent) steht hinter dem Konzept der repräsentativen Demokratie nach dem Vorbild Deutschlands. Allerdings wollen auch 66 Prozent der Befragten mehr direkte Demokratie in ihren Staaten. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich weltweit jeweils fast 25 Prozent der Befragten vorstellen können, einen starken Mann an der Staatsspitze zu haben, beziehungsweise vom Militär regiert zu werden.

In Deutschland sind 48 Prozent der Befragten mit der Demokratie zufrieden

Oberflächlich betrachtet scheint das Konzept der Demokratie gefestigt, vor allem in wirtschaftlich erfolgreichen Staaten mit einer langen demokratischen Tradition. Die höchsten Zustimmungswerte bekommt die repräsentative Demokratie in Europa, Nordamerika und Australien. Die „besten Demokraten“, wenn man so will, sind die Schweden. Dort sind 52 Prozent der Befragten engagierte Anhänger der repräsentativen Demokratie. Deutschland kommt auf einen Wert von 48 Prozent. In Russland sind es dagegen der Studie zufolge nur sieben Prozent.

Ein Blick in die Einzelergebnisse zeigt allerdings, dass vor allem die Bürgerinnen und Bürger jener Staaten, die wirtschaftlich unter Druck stehen oder historische Erfahrung mit Militärdiktaturen haben, nicht-demokratische Regierungsformen reizvoll finden. So sind etwa in Deutschland nur fünf Prozent der Befragten von einer Militärherrschaft, einem starken Mann an der Spitze des Staates oder einer sogenannten Experten-Regierung fasziniert. Das ist der geringste Wert aller 38 untersuchten Länder.

In Spanien, das Jahrzehnte von General Franco beherrscht wurde, sind es dagegen 17 Prozent. Auch in Staaten wie Chile, Argentinien und Brasilien, die ebenfalls Erfahrung mit Militärdiktaturen haben, verzeichnen die Pew-Forscher Werte zwischen 18 und 24 Prozent.

Viele können sich einen starken Mann an der Spitze des Staates gut vorstellen

Nicht-demokratische Regierungsformen scheinen für die Menschen in zahlreichen EU-Staaten interessant zu sein. In Ungarn etwa können sich 14 Prozent der vorstellen, vom Militär regiert zu werden. 24 Prozent meinen, ein starker Mann an der Spitze des Staates wäre eine gute Alternative, und 68 Prozent können sich eine Experten-Regierung vorstellen, der keine vom Volk gewählten Vertreter angehören.

In Polen liegen diese Werte bei neun, 15 und 50 Prozent, in Deutschland bei vier, sechs und 44 Prozent. Die Vorstellung, von einem starken Mann an der Spitze des Staates regiert zu werden, fasziniert aber auch die Menschen in Frankreich (17 Prozent), Großbritannien (26 Prozent) und Italien (29 Prozent).

Eine weitere Kernaussage der Studie: Nur relativ wenige Menschen haben viel Vertrauen in ihre Regierung. Deutschland steht in dieser Hinsicht in Europa an der Spitze. Hier haben das 26 Prozent der Befragten. 43 Prozent sagen, sie hätten „etwas Vertrauen“. In Italien gibt wie auch in Griechenland nur ein Prozent der Studienteilnehmer an, viel Vertrauen zu verspüren.

Wähler populistischer Parteien haben generell weniger Vertrauen in die Regierung

Anhänger populistischer Parteien wie etwa der AfD oder dem Front National in Frankreich gehören insgesamt zu den Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten Vertrauen in die Regierung haben. In Deutschland sagen 24 Prozent der Menschen, die nicht die AfD unterstützen, dass sie der Regierung nicht trauen. Unter AfD-Anhängern steigt dieser Wert auf 65 Prozent.

Laut Pew-Studie ist allerdings der Unterschied zwischen beiden Werten entscheidend. Deutschland kommt in dieser Hinsicht mit einer Differenz von 41 Punkten besser weg als etwa Schweden und die Niederlande. Dort vertrauen mehr Anhänger und Nicht-Anhänger der rechtspopulistischen Schwedendemokraten beziehungsweise der holländischen Partei für die Freiheit den jeweiligen Regierungen nicht.

Am geringsten ist der Unterschied in Frankreich. Dort haben 76 Prozent jener, die nicht den Front National unterstützen, keine gute Meinung von der Regierung. Unter Front-National-Anhängern macht die Studie einen Wert von 90 Prozent aus.