Vieles, was in Deutschland in den Restmüll geschmissen wird, gehört eigentlich in die Wertstoffsammlung oder in den Biomüll.
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BerlinWas landet in der Restmülltonne und gehört da auch hinein? 35 Jahre ist es her, dass sich das letzte Mal eine bundesweite Datenerhebung mit dieser Frage befasst hat. Seitdem ist einiges passiert, wie das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt. Tatsächlich wanderten 1985 noch 239 Kilogramm Müll pro Jahr und Einwohner in die grauen Tonne – 35 Jahre später sind es nur noch 128 Kilogramm. Die Restmüllmenge hat sich seither also fast halbiert. „Wir sind besser geworden“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Berlin. „Es ist aber nur ein Teilerfolg.“

Denn die Studie zeigt auch: Nur ein Drittel dessen, was wir täglich in den Hausmüll werfen, gehört wirklich hinein, etwa sogenannter Feinmüll wie Kehricht oder Asche und tatsächlicher Restmüll –  Windeln, Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Fotos. Die übrigen zwei Drittel sind zu einem Großteil wiederverwertbar.

Auch hier hat sich in den letzten 35 Jahren allerdings viel getan. Der Hauptgrund für den Rückgang der Restmüllmenge sind immer weiter verbesserte Mülltrennungssysteme, dank derer die Menge an Altpapier, Altglas, Metallen und Kunststoffen in der Restmülltonne im Vergleich zu 1985 um bis zu 80 Prozent gesunken ist.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Umweltbundesamt, dpa

Nun bedeutet bessere Mülltrennung nicht automatisch, dass auch weniger weggeworfen wird. Die Gesamtmüllmenge habe sich seit den 80er-Jahren nicht wesentlich verändert, sagte Bettina Rechenberg, Leiterin des Fachbereichs „Nachhaltige Produktion und Produkte, Kreislaufwirtschaft“ beim Umweltbundesamt. Und auch die Menge dessen, was am Ende wirklich wiederverwertet wird, variiert je nach Müllart.

Bei Papier und Glas funktioniere die Recycling-Kette sehr gut, sagte Staatssekretär Flasbarth. Nicht ganz so gut sieht es bei den Kunststoffen aus. Plastik und andere Kunststoffe machen mit 6,7 Prozent den drittgrößten Anteil des Restmülls aus. Aber selbst wenn Plastikbecher und Alufolie in der Wertstoffsammlung landen, liegt die Chance auf eine Wiederverwertung nur bei 50 Prozent.

Dass in Deutschland nur die Hälfte des Kunststoffes, der in den getrennten Sammlungssystemen auftaucht, am Ende auch wirklich wiederverwertet werde, sei nicht zufriedenstellend, so Flasbarth. Bis zum Jahr 2022 soll das Recyclinggut auf 63 Prozent erhöht werden.

Der größte Anteil des Mülls, der am Ende im Hausmüll – und damit in der Regel in der Verbrennungsanlage – landet, ist laut Studie der Biomüll. Küchen- oder Gartenabfälle machen fast 40 Prozent der Restmüllmenge aus. „Das sind 3,3 Millionen Tonnen Müll im Jahr, die in Kompostieranlagen oder Biogasanlagen komplett verwertbar wären“, sagte Bettina Rechenberg.

Seit 2015 besteht die gesetzliche Pflicht zu Biomülltrennung. An der Umsetzung hapert es allerdings in einigen Landkreisen. Das liege auch daran, dass die Kommunen die Sammlung des sogenannten nativ-organischen Abfalls unterschiedlich organisierten. Noch immer gebe es nicht in jedem Wohnhaus in Deutschland eine Biotonne.

Wo aber der Biomüll zu einer Sammelstelle gebracht werden muss, ist die Versuchung, ihn lieber gleich in den Restmüll zu werfen, ungleich größer. Bettina Rechenberg forderte daher am Dienstag eine verpflichtende Biotonne. Man sei hier bereits im Gespräch mit den Kommunen, betonte Staatssekretär Flasbarth. „Die Einfachheit der Erfassung muss deutlich erhöht werden.“ Möglicherweise seien dafür auch noch weitere rechtliche Schritte erforderlich. „Das Ziel von Kreislaufwirtschaft muss sein, alles wiederzuverwerten, was wiederverwertbar ist“, erklärte Flasbarth.

Das immer noch gängige Vorurteil, die getrennten Wertstoffe landeten ohnehin am Ende in der Müllverbrennungsanlage, sei im Übrigen nicht zutreffend, sagte der Staatssekretär. Dass immer noch gelegentlich Verpackungsmüll aus Deutschland auf Deponien oder an Stränden etwa in asiatischen Ländern auftauche, sei für ein Land, das den Anspruch hat, eine Kreislaufwirtschaft zu betreiben, „ein absolutes Desaster“, ergänzte Jochen Flasbarth. Es handele sich bei solchen Fällen aber keinesfalls um die Regel.