Berlin - Blumenkohl mit weißer Soße, dazu Kartoffeln und Bratwurst – dieses Gericht könnte so oder so ähnlich auf dem Menüplan einer Schulmensa in Hamburg, München oder Köln stehen. Und zwar nicht nur im November, sondern in regelmäßigen Abständen auch im Hochsommer oder Frühling. Die Speisepläne an deutschen Schulen unterscheiden sich in regionaler oder saisonaler Hinsicht fast gar nicht. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage zur Qualität von Schulessen, die von der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführt wurde. Am Dienstag wurde die Studie beim ersten Bundeskongress zur Schulverpflegung in Berlin vorgestellt.

An dem beschriebenen Essen ist nichts verwerflich. Blumenkohl ist gesund, Kartoffeln ebenfalls und auch gegen eine Bratwurst ist von Zeit zu Zeit nichts einzuwenden. Kritisch ist, dass derlei Essen zu häufig und mit wenig Variation in fast allen deutschen Schulkantinen zu finden sind. Ein Grund dafür, weshalb nach wie vor wenig Kinder und Jugendliche überhaupt in der Schule essen. In Grundschulen ist die Teilnahme am Mittagessen oft verbindlich, deutschlandweit nehmen hier im Schnitt 50 Prozent teil. An weiterführenden Schulen essen nur rund 30 Prozent in der Schule zu Mittag, obwohl fast alle Kinder angeben, dass ein warmes Mittagessen für sie eine zentrale Rolle am Tag spielt und sie gleichzeitig immer mehr Zeit in der Schule verbringen. Warum also entscheiden sich einige für und andere gegen ein Essen in der Schule?

„Die Angaben der Eltern und Kinder dazu sind vielschichtig“, sagt Ulrike Arens-Azvedo, Leiterin der Studie. „Geschmack und Aussehen des Essens sind am wichtigsten, doch auch die Organisation des Mittagessens hat erheblichen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen ein Schulessen.“ Demnach geben viele Schüler an, dass ihnen die Wartezeiten an der Essensausgabe zu lang sind oder das ihnen die Räumlichkeiten der Mensa nicht zusagen. Fast überall wurde beispielsweise ein hoher Geräuschpegel bemängelt – in Essenssälen ist es laut, für manche offenbar zu laut.

Ein Punkt, den auch viele Eltern bemängeln, ist, dass die Anbieter von Schulessen oft unflexibel in der Planung sind. Während es in Kantinen für Berufstätige normal ist, dass man hingeht, sich das Angebot anschaut und dann spontan entscheidet, was man essen möchte, verlangen die Schulmensen oft Monate im Voraus eine genaue Bestellung für die Gerichte. Manche Schüler müssen ganze sechs Monate  vorab Angaben zu ihrem Speiseplan machen. Aber wer weiß schon, ob man noch Lust auf Kaiserschmarrn hat, wenn im Geschichtsunterricht ein Halbjahr lang die Habsburger durchgenommen wurden?

Interessant ist auch, dass in rund 60 Prozent der Schulen die Mittagspause weniger als eine Dreiviertelstunde lang ist. Dabei empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mindestens 45 Minuten. Die Schüler scheint die kurze Pause jedoch überwiegend nicht zu stören.

Insgesamt sieht Arens-Azvedo die Verpflegung in deutschen Schulen auf einem guten Weg: „Lange Zeit hat sich niemand wirklich zuständig gefühlt für die Qualität des Mittagessens. Das ändert sich langsam, die Schulleitungen übernehmen Verantwortung und auch Eltern bestehen vor allem in der Grundschule auf eine gesunde Ernährung.“ Dennoch gibt es noch keine verbindlichen Qualitätsstandards für Schulverpflegung. An dieser Stelle setzt auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt mit seinen Forderungen an: „Wir haben anerkannte und beachtete Sicherheitsstandards für sämtliche Turngeräte in der Sporthalle, aber keine festgelegten Qualitätsvorgaben für das Essen in der Schule. Das müssen wir ändern.“ Zu dem Zweck sollen die DGE-Standards für ein gesundes Schulessen gesetzlich in den Ausschreibungen verankert werden. Jeder Caterer, der sich zukünftig für die Bewirtung einer Schulkantine bewirbt, muss also jeden Tag Gemüse und Mineralwasser und mindestens zweimal in der Woche Obst, Milchprodukte und Seefisch anbieten. Fleisch darf höchstens zwei Mal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. 

Auch Sabine Schulz-Greve von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Berlin e.V. glaubt, dass man über die Ausschreibung der Schule viel Einfluss auf die Qualität des Schulessens nehmen kann. „In Berlin fordern bereits 80 Prozent der Schulen in ihren Verträgen mit den Caterern, dass ein gewisses Mindestmaß an Bioprodukten verwendet wird. Viele Anbieter übertreffen diesen Wert sogar ungefragt.“ Klar ist auch, dass eine gewisse Qualität im Essen sich im Preis niederschlägt. Ein Mittagessen inklusive Dessert und Getränk kostet an deutschen Schulen im Schnitt drei Euro, an Grundschulen etwas weniger. Für manche Familien ist das zu teuer. Oft wissen sie und auch die Schulen nicht, dass sie Anspruch auf finanzielle Unterstützung für das Schulessen haben. Nur 17 Prozent der berechtigten Familien nehmen die mögliche finanzielle Hilfe überhaupt wahr. Hier gilt es, Eltern, Schüler und Schulträger künftig besser zu vernetzen. 

Zu guter Letzt sollen künftig auch die Kinder und Jugendlichen mehr in die Gestaltung des Schulessens mit einbezogen werden. Dabei kann die Lösung nicht sein, nur noch die Lieblingsessen der Kinder auf den Speiseplan zu heben. Dann gäbe es laut Studie nur noch Nudeln, Pizza und Pfannkuchen und nie wieder Spinat und Fisch. Es geht viel mehr darum, Ernährung stärker in den Bildungsplänen zu verankern und so schon bei kleinen Kindern ein Bewusstsein für Essen und Nahrungsmittel zu schaffen. „Wenn Kinder im Unterricht bestimmten Gemüsesorten kennenlernen, bekommen sie auch Lust, diese auf dem Teller zu probieren“, so Schulz-Greve.