Hannover/Berlin/Hamburg - Sturm „Xavier“ wütet zur Zeit in Deutschland und fordert aufgrund seiner Intensität mehrere Todesopfer. Wie schwer der Sturm in den verschiedenen Regionen Deutschlands zuschlägt haben wir in einem Überblick zusammengefasst.

Update:

Eine Nachricht bei Twitter zum Sturm „Xavier“, mit dem Logo der Polizei: „Heute dem 6.10.2017 Fällt in ganz Berlin die Schule und Arbeit aus“. Die Ermittler machen am Donnerstag bald klar, dass es sich um eine Fälschung handelt. „#Xavier sorgt nicht nur für Sturmschäden, sondern auch für #FakeNews“, twitterte die Polizei. Eine Polizeisprecherin sagte, die Polizei habe den Schülern nicht freigegeben - erst recht nicht „in schlechter Orthografie“. Es müsse geprüft werden, ob etwa wegen Urkundenfälschung ermittelt werde.

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Die Zahl der Toten ist auf mindestens sieben gestiegen. Ein 72-Jähriger starb in Brandenburg an der B1 zwischen Müncheberg und Hoppegarten - er wurde von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Zuvor war bereits bekannt, dass im Bundesland Brandenburg drei Menschen in Autos starben. Auch im Berliner Stadtteil Tegel wurde eine Frau getötet, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. In Hamburg starb eine 54 Jahre alte Beifahrerin durch einen Baum. In der Nähe von Schwerin erschlug ein umstürzender Baum einen Lastwagenfahrer.

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In Brandenburg sind vier Menschen ums Leben gekommen. Bundesweit stieg die Zahl der Todesopfer damit auf sechs. Bei Gransee im Landkreis Oberhavel sei ein Ast in eine Windschutzscheibe geflogen und habe einen Menschen getötet. Zudem wurde in derselben Region eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Zuvor waren bereits zwei Todesfälle aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern bekannt geworden. Inzwischen hat die Polizei bekannt gegeben, dass vier Menschen in ihren Autos getötet wurden.

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Die Berliner Feuerwehr hat am Donnerstag wegen Sturm „Xavier“ den Ausnahmezustand ausgerufen. Innerhalb einer halben Stunde gingen am Nachmittag rund 50 Notrufe ein, teilte die Behörde mit.

Nun werde kategorisiert, welche der eingegangenen Notrufe zuerst bearbeitet werden, sagte ein Sprecher. Dabei gelte Menschenleben vor Sachschäden. „Wenn ein Mensch von einem Baum getroffen wird, muss eine Straßenblockierung durch einen abgefallenen Ast erstmal warten.“

Freiwillige Feuerwehr muss helfen

Den Ausnahmezustand ruft die Feuerwehr immer dann aus, wenn die Behörde mit den eingehenden Notrufen nicht mehr hinterher kommt. Auch Helfer der freiwilligen Feuerwehr wurde zur Unterstützung angefordert. Laut dem Sprecher sollen rund 400 Kräfte aushelfen.

Hunderte Einsätze für Feuerwehr

Die Feuerwehr berichtete von mehr als 800 Unwettereinsätzen in der Hamburg. In Bremen meldete die Polizei in kurzer Zeit rund 200 Einsätze. Dort sei in Osterholz im Bremer Umland eine 65 Jahre alte Frau von einem Ast getroffen und mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden.

Auf der Autobahn 27 stürzte bei Oslebshausen ein Baum auf ein vollbesetztes Auto, die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. In Huchting habe sich bei dem Sturm ein Gastank gelöst, ein Zug sei sicherheitshalber evakuiert worden. Die Einsatzkräfte im Landkreis Lübeck zählten mehrere hundert sturmbedingte Einsätze in kurzer Zeit. Es seien mehrere Menschen verletzt worden, die genaue Anzahl blieb nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck vorerst unklar.

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Wie die Wasserschutzpolizeiinspektion Wilhelmshaven mitteilte, stürzte von der Niedersachsenbrücke ein etwa tausend Tonnen schwerer schienengebundener Entladekran bei Starkwind in die Jade und versank teilweise. Im Landkreis Verden wurden in kurzer Zeit 52 umgestürzte Bäume gemeldet, im Bereich Neumünster mussten die Einsatzkräfte zu 28 Einsätzen wegen überfluteter Straßen, Wege und Plätze sowie umgestürzter Bäume ausrücken. Im Emsland und in der Grafschaft Bentheim meldete die Polizei insgesamt rund 90 Einsätze, Verletzte gab es dort zunächst nicht.

Auch in Norddeutschland sind die Feuerwehren wegen des Sturmtiefs im Dauereinsatz. So mussten die Helfer schon bis Donnerstagmittag in vielen Landesteilen Niedersachsens zu Dutzenden Einsätzen ausrücken.

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In Hannover meldete die Feuerwehr Notlagen wegen umgestürzter Bäume auf Straßen und abgerissener Dachverkleidungen. Ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Im Landkreis Holzminden wurde eine Kreisstraße von einem umgestürzten Baum blockiert, außerdem stürzte ein Baum auf drei Autos - verletzt wurde jedoch niemand. In Werlte bei Osnabrück krachte ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum. 

Die Bevölkerung in Hamburg wurde von der Feuerwehr aufgefordert, wegen des Sturms nicht rauszugehen. „Warnung für Hamburg. Halten Sie sich aktuell nicht im Freien auf, bleiben Sie im geschützten Bereich“, twitterte die Feuerwehr.

Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt. Es liefen Dutzende Notrufe ein, meldete die Feuerwehr per Twitter. In der Hansestadt wechselten sich seit dem Mittag immer wieder heftige Regenfälle und Stürme mit kurzen sonnigen Phasen ab.

Die Deutsche Bahn hat vorerst auch die wichtigen Fernverkehrsstrecken Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg eingestellt. Das teilte ein Bahnsprecher in Berlin mit. Das Sturmtief hatte zuvor den Bahnverkehr in ganz Norddeutschland lahmgelegt. (dpa/red)