Berlin - Was wir wissen:  Die SPD braucht neue Chefs oder Chefinnen und Inhalte, Inhalte, Inhalte. Was wir bisher nicht wussten:  dass die SPD Politiker „mit Wärme“ sucht.  Und dass  Klara Geywitz,   bisher Landtagsabgeordnete in Brandenburg und aktuell Bewerberin für den SPD-Bundesvorsitz,  hier  offenbar  ein emotionales Defizit haben soll. 

Geywitz, so behauptet jedenfalls ihr Parteikollege Harald Sempf, könne  „von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10 000er-Geflügelfarm leiten“. „Diese Herzenswärme, die ihr zugeschrieben wird, woher die kommen soll, ist mir ein Rätsel“, sagte der Schatzmeister des brandenburgischen Landesvorstands dem Spiegel.  Ihr fehle die „Fähigkeit zur Nähe“. Für die erste Reihe sei Geywitz nicht geeignet, findet Sempf.

Ach herrje, möchte man rufen, vielleicht auch schreien.  Ernsthaft? Mal davon abgesehen, dass sich  Sempf mit diesem innerparteilichen Foul selbst qualifiziert, steht da noch mehr.  Es sind kleine Wörter, wichtige Wörter, die so viel mehr offenbaren, als es auf den ersten Blick scheint. Denn die stereotype Zuschreibung bestimmter Attribute zeigt, was von Frauen erwartet wird, was aber kaum einer bei Männern hinterfragen würde. 

Bringt der Duo-Mitbewerber Olaf Scholz eigentlich Wärme mit? Hat man sich  je gefragt, wie viel Herzenswärme Sigmar Gabriel in sich trägt?  Männer  bleiben in der Wahrnehmung mancher Kollegen offenbar noch immer die Macher, Heroen oder Piraten, Frauen dagegen „Muttis“.  Und wenn sie leidenschaftlich ihre Positionen vertreten, wenn sie schnell als hysterisch bezeichnet. 

Es dauerte immerhin nicht lange, dass Klara Geywitz –  43 Jahre, Potsdamerin, Sprecherin für Medienpolitik und Religion, Parteimitglied seit sie 16 Jahre ist, Mutter dreier Kinder  und nach eigener Auskunft „fröhliche Christin“ –  aus ihrer Partei entsprechende Solidarität erhielt.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte: „Genau diese Art & Weise von Machos in unserer Partei und Gesellschaft muss aufhören! Dieser Umgang ist auch ein Grund, warum sich Menschen von unserer Partei abgewandt haben.“

Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europaparlamentes, sagte,   Geywitz sei „einer der liebenswertesten, humorvollsten und anständigsten Menschen, die mir in der Politik begegnet sind“.

Geywitz, Mit-Initiatorin des Paritätsgesetzes in Brandenburg,  bezeichnet sich selbst als Feministin.  Sempf, geboren1966, schreibt  auf seiner Homepage, dass er „ sehr ungern verliert“. Ist Neid eigentlich ein typisch männliches  Attribut?