Die von der Regierung Nordkoreas zur Verfügung gestellte Aufnahme soll Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (M), der sich eine Artillerie-Schießübung anschaut, zeigen. Unabhängige Journalisten hatten keinen Zugang zu der angeblichen Artillerie-Schießübung.
Foto: picture alliance/KCNA via KNS/AP/dpa

SeoulLaut Südkorea hat Nordkorea zum dritten Mal in diesem Monat Raketen getestet. Zwei Flugkörper, bei denen es sich vermutlich um ballistische Kurzstreckenraketen handele, seien am Samstagmorgen (Ortszeit) kurz hintereinander aus dem Westen Nordkoreas über das Land hinweg in Richtung Ostmeer (Japanisches Meer) geflogen, teilte der Generalstab in Südkorea mit. Die höchste Kommandobehörde kritisierte die Tests als „höchst unangemessene Aktion“, berichtet die Deutsche Presseagentur. Sie würden zu einer Zeit durchgeführt, in der die Lungenkrankheit Covid-19 weltweit Schwierigkeiten bereite.

Südkoreas Militär rief das wegen seines Atomwaffenprogramms isolierte Nachbarland auf, seine Raketentests sofort einzustellen. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe befördern können.

Auch Japans Verteidigungsminister Taro Kono sprach in Tokio von ballistischen Raketen, die Nordkorea abgefeuert habe. Ministerpräsident Shinzo Abe habe wegen der Tests ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats einberufen, an dem auch Kono teilgenommen habe, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Raketen sollen 410 Kilometer weit geflogen sein

Den Angaben Südkoreas zufolge flogen die Raketen bei einer Flughöhe von bis zu 50 Kilometern etwa 410 Kilometer weit. Weitere technische Details würden zusammen mit den US-Behörden untersucht. Experten hielten es möglich, dass Nordkorea ein neues, mit Feststofftreibsatz angetriebenes Raketensystem getestet habe, das es bereits im vergangenen Jahr erprobt hatte.

Vor dem Raketentest hatten Nordkoreas Staatsmedien berichtet, Machthaber Kim Jong Un habe am Freitag eine Artillerie-Schießübung „an der westlichen Front“ angeleitet. Es habe sich um einen Wettbewerb zwischen großen Einheiten der Volksarmee gehandelt.

Das Parlament in Nordkorea kündigte unterdessen für den nächsten Monat seine Frühjahrssitzung an. Die Sitzung der Obersten Volksversammlung in Pjöngjang werde am 10. April abgehalten, berichteten die Staatsmedien. Die Volksversammlung wird im Ausland auch als Scheinparlament bezeichnet. Bei den nur ein- oder zweimal jährlich einberufenen Sitzungen werden weitgehend Beschlüsse der herrschenden Arbeiterpartei ratifiziert.