Moon Jae-in, krisenfester Präsident Südkoreas.
Foto: dpa/YNA

Die Koreaner sind also doch für ihren Präsidenten. Im Februar war Moon Jae-in noch in Ungnade gefallen, weil sein Krisenmanagement zu holprig anlief. Nun hat sich die Bevölkerung klar hinter die Regierung gestellt. Das zeigen die Parlamentswahlen vom Mittwoch. Eine klare Mehrheit der 300 Sitze entfallen auf das Regierungslager um die liberale Demokratische Partei, womit diese ihren vorigen Vorsprung deutlich ausgebaut hat.

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Der Wahlausgang sendet ein deutliches Signal an andere Länder, in denen dieses Jahr Wahlen anstehen. Regierungen können von der Pandemie profitieren, selbst wenn sie Maßnahmen ergreifen, die tief in das Alltagsleben eingreifen. In Südkorea sind derzeit Kinos und Bibliotheken geschlossen, Bildungseinrichtungen halten ihren Unterricht über weite Strecken online ab. Ein digitales Trackingsystem verfolgt Infektionsfälle. Die Zustimmung zu all dem ist hoch.

Onlinepetition für Amtsenthebungsverfahren

Moons drastische Maßnahmen haben dabei geholfen, die Krankheitszahlen relativ geringzuhalten. Am Tag vor der Wahl wurden nur 27 Personen Neuerkrankungen gemeldet. Insgesamt sind 10.600 Menschen am Virus erkrankt. Kurz vor der Wahl hatte der Präsident eine Zustimmungsrate von über 50 Prozent.

Vergessen scheint nicht nur die schon vor Ausbruch der Krise prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt, die für Enttäuschung über Moons Kabinett gesorgt hatte. Auch die heikle Gesundheitslage ist in den Hintergrund gerückt. Anfang März hatte sich die Infektionszahl binnen zwei Wochen von 28 auf weit über 5000 multipliziert. Kurz zuvor hatte Moon seiner Bevölkerung noch versichert, die Lage werde nicht mehr sonderlich schlimm werden. Dann brach die Epidemie erst richtig aus. Flugs ergab eine Umfrage, dass 51 Prozent in Südkorea mit der Arbeit ihres Präsidenten unzufrieden waren. Eine Onlinepetition, die ein Amtsenthebungsverfahren forderte, sammelte in kurzer Zeit 1,5 Millionen Unterschriften.

Regierungen können an Rückhalt gewinnen

Der Popularitätsanstieg scheint einem Muster zu folgen. Es sind wohl nicht die finanziellen Hilfspakete, die die Wählergunst gewinnen. Solche Programme wurden auch anderswo aufgelegt. Die Beliebtheit von Regierungen hängt vielmehr davon ab, ob man die gesundheitliche Entwicklung für weitgehend unter Kontrolle hält. So fällt die Unterstützung für Regenten in Japan und den USA, wo Risiken lange vernachlässigt wurden. In Deutschland und Südkorea, wo schneller reagiert wurde, gewinnen sie dagegen an Rückhalt. Moons Wahlerfolg ist der erste Beleg dafür.