Jerusalem - Dieser Einkauf hält auf. Akribisch wird alles inspiziert, ob die Spitze der Palmenrute auch geschlossen ist, ob die Myrten- und Weidenzweige schön gefächert sind und vor allem, ob der Etrog, eine grün-gelbe Zitrusfrucht, auch ja höchsten Ansprüchen genügen kann. Ein ultraorthodoxer Jude hält die Frucht sogar vor die eigens mitgebrachte Lupe, damit ihm ja kein Makel entgeht, kein winziges Pünktchen, das ein Insekt hineingebohrt haben könnte. So schrumpelig ein Etrog, nicht viel größer als eine Zitrone, aber mit dicker, gerillter Haut, dem unbedarften Betrachter vorkommen mag – beim jüdischen Laubhüttenfest ist er das Schmuckstück.

In Jerusalem gibt es sogar einen eigenen Markt, auf dem in den Tagen vor der Festwoche nichts anderes angeboten wird. Sonntagabend beginnt in diesem Jahr Sukkot, benannt nach der Sukka, hebräisch für Laubhütte. Bis dahin herrscht emsiger Betrieb an den Ständen, die ausschließlich jene Arten anbieten, die laut der Thora nötig sind, um „sieben fröhliche Tage vor dem Herrn“ verbringen zu können. „Sukkot“, schwärmt Josef Sinai, „ist mein Lieblingsfest.“ Wie alle Händler auf diesem Markt hat er seine Etrogs einzeln auf weiche Schaumstoffpolster gebettet, damit keine Druckstelle die kostbaren Früchte verunziert.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.