SUV nehmen viel Platz ein. 
Foto: Volkmar Otto

Berlin - Die Deutschen transportieren gern. Haustiere, Kranke und Baumaterialien erhöhen den eigenen Platzbedarf so sehr, dass sich die Anzahl zugelassener SUV und Geländewagen auf deutschen Straßen stetig erhöht. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Diesen möglichen Gründen, die die Bundesregierung als Erklärung für die gestiegenen Zulassungszahlen aufzählt, fehlt jedoch die ureigentliche Bestimmung von Geländewagen: im Gelände zu fahren. Die ist laut Grünen-Sprecher für Verkehrspolitik, Stephan Kühn, aber auch gar nicht nötig: „In unseren Städten gibt es befestigte Straßen, deshalb sind SUV und Geländewagen hier absolut fehl am Platz.“

Von 2015 bis 2019 hat sich die Zahl der zugelassenen SUV um 124 Prozent erhöht. Waren 2015 noch 1,8 Millionen SUV zugelassen, sind es 2019 bereits 3,76 Millionen gewesen. Die Zahl der Neuzulassungen stieg von 340.000 im Jahr 2015 auf 762.500 im vergangenen Jahr. Bei den Geländewagen ist ein Anstieg von rund 41 Prozent zu verzeichnen.

Grafik: BLZ/Sabine Hecher, Quelle: Dt. Bundestag

Grüne fordern Steuer für „Spritschlucker“

Trotz des Abgasskandals ist Volkswagen mit Abstand die beliebteste Automarke der Deutschen. Golf, Tiguan und T-Roc waren 2019 die häufigsten zugelassenen Pkw, Geländewagen und SUV. Der durchschnittliche Pkw-Fahrer ist 53 Jahre alt, der von SUV 57 Jahre, zu zwei Dritteln männlich. Kühn spart nicht mit Kritik an Herstellern und Fahrern. „Indem Autohersteller ihr Angebot auf solche Klimakiller ausrichten, untergraben sie auch den Klimaschutz im Verkehr.“ Mit einer verschärften Kfz-Steuer wollen die Grünen dem Trend zum Geländewagen Einhalt gebieten. „Wer sich einen schweren Spritschlucker zulegen will, muss endlich über die Kfz-Steuer für seine ökologischen Schäden aufkommen“, fordert Kühn. 

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alois Rainer, hält entschieden dagegen. „Die Grünen versuchen immer wieder, SUV als Killermaschinen darzustellen, die man den Menschen verbieten müsse. Das ist völlig absurd und realitätsfern. Die meisten SUV-Käufer entscheiden sich für kompakte Modelle, die in Größe, Gewicht und CO2-Ausstoß vergleichbar sind mit Durchschnitts-Pkw.“

Weniger Sicherheit für Radfahrer, mehr Sicherheit für Insassen

Zwar sind nicht alle SUV in ihrer Größe mit einem Geländewagen vergleichbar, dennoch nehmen die Fahrzeuge viel Raum ein. Zu viel, meint Michael Müller-Görnert. Der Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland, der sich für eine ökologische Verkehrswende einsetzt, plädiert für mehr „Flächengerechtigkeit“: „Die meisten Flächen in der Stadt sind dem Autoverkehr zugeordnet. Fahrradfahrer und Fußgänger werden an den Rand gedrängt. Wir müssen Flächen, die vorher für den Autoverkehr reserviert waren, jetzt dem Radverkehr geben.“ Der Durchschnitts-Pkw hat eine Breite von 1,81 Metern, ein Geländewagen ist acht Zentimeter breiter. Eigentlich dürfen Autos nur mit einem Abstand von 1,5 Metern Radfahrer überholen. „In manchen Straßen ist das gar nicht möglich. Das Sicherheitsgefühl für Radfahrer sinkt mit jedem Zentimeter weniger Abstand“, erklärt Stefan Gelbhaar, Grünen-Sprecher für Radverkehr. 

SUV-Fahrer hingegen schätzen das dadurch gewonnene Sicherheitsgefühl. „Besonders die erhöhte Sitzposition und der bequeme Einstieg werden vielfach als angenehm empfunden“, teilt eine ADAC-Sprecherin mit. Signifikante Auswirkungen auf die Unfallzahlen haben SUV und Geländewagen laut Bundesregierung zwar nicht, allerdings beeinflussen sie nach Angaben der Grünen-Abgeordneten Daniela Wagner die Schwere der Unfälle maßgeblich. Insassen von SUV, die den Unfall verursachen, würden deutlich seltener verletzt oder getötet, dafür die Unfallgegner umso mehr.