Die belarussische Oppositionsanführerin.
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BerlinAm Wochenende gingen wieder über 100.000 Menschen in Belarus auf die Straße, um gegen die Lukaschenko-Regierung zu protestieren. Seit dem 9. August wehrt sich die belarussische Opposition gegen die Fälschungen der Präsidentschaftswahl, gegen die Amtsübernahme Lukaschenkos, gegen die Inhaftierung von führenden belarussischen Oppositionellen, gegen staatliche Einschüchterung und Gewalt. 

Es ist ein langer Kampf, der noch nicht zu Ende ist. Seitdem Aleksander Lukaschenko den zaghaften Rückhalt der russischen Regierung spürt, ist er wieder selbstbewusster geworden – und auch brutaler im Vorgehen gegen die Opposition. Führende Aktivistinnen sind immer noch inhaftiert, wie etwa Maria Kolesnikowa. Doch die Demonstranten lassen sich nicht einschüchtern. Seit Monaten finden jedes Wochenende ungebrochen Proteste statt, an denen Hunderttausende Belarussen teilnehmen.

Swetlana Tichanowskaja will eine Botschaft übermitteln

Langer Atem ist gefragt und die Aufmerksamkeit und Unterstützung des Auslands. Deshalb ist eine der führenden Oppositionellen, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja, am Montag aus ihrem litauischen Exil nach Berlin gereist, um für stärkeren Rückhalt im Westen zu werben. Der Besuch in Deutschland ist ihr erster Aufenthalt im westeuropäischen Ausland und ein ernster Hilferuf an Angela Merkel und die Europäische Union.

Swetlana Tichanowskaja will eine Botschaft übermitteln. Sie will, dass die EU die belarussische Opposition nicht vergisst und den Druck erhöht, um Aleksander Lukaschenko zu Neuwahlen zu zwingen. Die Situation spitzt sich immer weiter zu. Lukaschenko ist fest entschlossen, an der Macht zu bleiben und die Proteste auszusitzen. Nur weitere Demonstrationen und ein größerer internationaler Druck können ihn aufhalten und zum Umlenken bewegen. Der Ausgang des Konflikts ist derzeit völlig ungewiss. 

Swetlana Tichanowskaja vor dem Brandenburger Tor: „Wir müssen durchhalten“

Am Montagabend trafen sich belarussische Unterstützergruppen vor dem Brandenburger Tor, um sich mit Swetlana Tichanowskaja zu solidarisieren und ihr Unterstützung zuzusichern. Es wurden Lieder gesungen und Parolen gerufen, die an die aktuellen Sprechgesänge der Demonstranten in Minsk erinnerten, wie etwa „Lang lebe Belarus“ oder „Lukaschenko muss weg“. Circa 100 Menschen waren anwesend.

Kurz vor 18.30 Uhr trat Swetlana Tichanowskaja zu den Menschen heran, ging ans Rednerpult und hielt in einen dicken Wintermantel gehüllt eine kurze Rede. Sie bedankte sich für die Unterstützung und motivierte ihre Anhänger zum Weitermachen. „Wir dürfen nicht aufgeben!“, sagte sie mit entschlossener Stimme. „Das, was in Belarus passiert, hat das Land noch nicht erlebt. Wir müssen durchhalten.“ Die Menschen rückten während ihrer Ansprache immer näher heran, Polizisten mussten auf die Corona-Abstandsregeln hinweisen.