ALEPPO - Walid Risho ist mit einer Gruppe von Nachbarn noch einmal auf das Dach des dreistöckigen Neubaus im Stadtbezirk Sheikh Maksoud in Aleppo gestiegen. Ein zwei Meter großes Loch klafft in der Betondecke, wo die Granate einschlug; Armierungseisen ragen grotesk verrenkt in die Luft, zwischen den überall verteilten Trümmern kann man Stahlstücke des Panzergeschosses finden. Es ist ein Uhr mittags, glühend heiß, und von hier oben lässt sich die wuchernde, chaotische Dachlandschaft der größten Stadt Syriens bis über das Stadtzentrum hinaus überschauen, denn Sheikh Maksoud liegt auf einem Hügel im Norden der Metropole. Hier leben fast ausschließlich Kurden, die sich bisher im Bürgerkrieg neutral verhalten.

Von Weitem hört man Gewehrfeuer und die Einschläge der Mörsergranaten, die wie Donnerschläge bei einem Sommergewitter klingen. Über dem Osten der Stadt, den die Freie Syrische Armee (FSA) beherrscht, steigen weiße, graue, schwarze Rauchsäulen in den Himmel. Plötzlich deuten die Männer nach oben. „MiG“, rufen sie. Ein winzig wirkendes Kampfflugzeug ist wie aus dem Nichts im blauen Himmel aufgetaucht und fliegt elegant aussehende Kurven, bis es in den Sinkflug übergeht und die erste Bombe fallen lässt. Ein gewaltiger Knall fegt über die Häuser. Wenig später steigt eine schwarze Wolke aus dem Kleineleuteviertel Bustan al-Bashaa, das neben Sheikh Maksoud liegt.

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