Berlin - Ost- und Westdeutsche unterscheiden sich in ihren Lebenszielen und privaten Wertvorstellungen kaum voneinander, halten aber an ihren gegenseitigen Vorurteilen fest. Große Unterschiede bestehen weiterhin in der Beurteilung des politischen und wirtschaftlichen Systems. Das hat eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben, die im Auftrag der Berliner Zeitung in Zusammenarbeit mit 14 weiteren ostdeutschen Tageszeitungen erstellt wurde.

Geld, Familie, Freunde, Partner

Die Studie aus Anlass des 25. Jahrestags der friedlichen Revolution und des Mauerfalls ist eine der umfassendsten der vergangen Jahre. Große Übereinstimmung legen die Menschen in den alten und neuen Ländern an den Tag, wenn es um die nötige Stabilität in ihrem Leben geht. Bei den vier wichtigsten Fakten gibt es keine nennenswerten Unterschiede mehr: Ausreichend Geld (80 Prozent Ost/81 Prozent West), die eigene Familie (79/79), gute Freunde (63/66) und der eigene Partner (62/63) sind die vier Punkte, die für alle Deutschen ausschlaggebend sind bei der Frage, wie sicher sie sich in ihrem Leben fühlen.

Der Ostdeutsche setzt bei der Absicherung darüber hinaus weiterhin stärker auf den Staat, während der Westdeutsche auf das Eigentum sowie Recht und Gesetz baut. Nur 41 Prozent der Ostdeutschen ist das Rechtssystem für ihre Sicherheit wichtig, aber 58 Prozent der Westdeutschen. Ähnlich sieht es bei den Sorgen aus. Die eigene Pflegebedürftigkeit treibt 61 Prozent der Ost- wie Westdeutschen um und wird im Osten nur noch von der Angst vor zunehmender Gewalt und Kriminalität um einen Prozentpunkt übertroffen. Der Westen ist in dieser Frage etwas entspannter (52 Prozent).

Insgesamt werden die ersten acht Sorgen-Plätze in nahezu gleicher Ausprägung in Ost wie West vor allem von der Rentensicherheit sowie steigenden Preisen und Abgaben dominiert. Große Unterschiede gibt es dagegen nach wie vor bei der Beurteilung des wirtschaftlichen und politischen Systems. Während 74 Prozent der Westdeutschen die Demokratie als die beste Staatsform betrachten, teilen in Ostdeutschland nur 40 Prozent diese Auffassung. Beide Werte haben sich seit 1990 allerdings nur geringfügig verändert.

Michael Sommer, Projektleiter bei Allensbach, spricht von einem „unbedingten Vertrauen“ in das politische System, das im Westen nach wie vor viel stärker sei. Die Ostdeutschen legten in diesem Punkt eine große Reserviertheit an den Tag. Auch das Freiheitsverständnis unterscheidet sich erheblich.

Den Westdeutschen sind die Meinungsfreiheit, der Rechtsstaat, die freie Berufswahl und das Recht auf Eigentum deutlich wichtiger als den Ostdeutschen. Der Abstand beträgt jeweils zwischen 14 und 18 Prozentpunkten. Gehalten haben sich auch die Vorurteile. Der Ostdeutsche hält den Wessi nach wie vor für arrogant, geldgierig und egoistisch. Der Westdeutsche den Ossi vor allem für unzufrieden und misstrauisch.

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