Lieber Herr Joachim,

Wieder war das Extra-Interview mit Dirk Bach und Sonja Zietlow spannender als die ganze Live-Show davor. Die beiden haben sich schon heute, also am elften von 16 Tagen festgelegt: Brigitte Nielsen, Micaela Schäfer, Rocco Stark – so sieht nach Meinung der Dschungel-Profis am Samstag das Finalistentrio aus.

So unterschiedlich die drei auch sein mögen, es eint sie ihre jammerfreie Camp-Disziplin und der ungebrochene Wille zum Sieg. Wie anders ist da Ihr Fußball-Freund Ailton. Er besteht nun schon gefühlt seit einer Woche darauf, „mental eine bomb“ zu sein, unübersehbar aber lieber heute als morgen das Spielfeld verlassen würde, und nun auf eine besonders harte Schatzsuche geschickt wurde: Eine ganze Nacht sollte er in einer wohlig trockenen Erdhöhle verbringen. Getrennt von den anderen, aber gemeinsam mit Micaela, einer Flasche Rotwein und einem leckeren Picknickkorb.

Fürsorglich hatte die Spielleitung die freizügige Sexarbeiterin dazu verdonnert, zu dieser Schatzsuche ihre lange Hose anzuziehen. Trotzdem! Ailton packte beim Anblick des kuscheligen Doppelbetts die nackte Panik. Immer wieder stammelte er „Ailton is frei ... geht nix!“ und wollte die Schatzsuche sofort abbrechen.

Aber Micaela behielt die Hosen an, entschied sich fürs Bleiben und saß die Panikattacke ihres Mitstreiters einfach höflich kopfschüttelnd aus. Wie genau der Ex-Kugelblitz dann im Laufe der Nacht von seinem provisorischen Nachtlager auf dem Höhlenboden ins Bett gekugelt kam, hat uns RTL nicht berichtet. Aber gelaufen ist da definitiv nix. Dazu ist Ailton viel zu schnell eingeschlafen. Von wegen „Mental eine bomb!“ Hätte Micaela nicht so diszipliniert gegen den Schlaf angekämpft und immer wieder vorschriftsmäßig die brennende Kerze erneuert, wäre die Schatztruhe sicher verloren gewesen.

So aber holten die Kämpfer in der Truppe alles aus diesem Tag raus, was die RTL-Leute reingelegt hatten: Roccos Dschungelprüfung war ein voller Erfolg, souverän angelte er sich in schwindelerregender Höhe alle Sterne aus einer schwankenden, mit den üblichen Tierchen bevölkerten Gondel. Und Brigitte Nielsen „verriet“ ihre Tagesration Indiskretion und kein Fünkchen mehr: Sie hatte mal was mit Sean Penn. Was genau behielt sie für sich.

Ein bisschen traurig bin ich schon, dass Jazzy heute ihre Sachen packen musste. Sie war doch immerhin für den einen oder anderen Twist gut gewesen. Aber auch Jazzy gehörte, da muss ich dem Publikum Recht geben, zur schniefenden und meckernden „Ich-finds-hier-scheiße“- Jammerfraktion.

Mein Tipp für die nächste rote Karte: Radost Bokel. Was außer ihren Rehaugen hat sie zur Gruppendynamik schon beizutragen? Es wird ohnehin langsam Zeit, dass die Randfiguren die Bühne freimachen. Dass Kim immer noch im Camp ist, fiel mir überhaupt erst wieder ein, als RTL ihre Telefonnummer auf der Voting-Liste einblendete.

Es wäre auch für die Show ganz schön, dann den notorischen Sonnyboy Rocco mal zu Kims Abschied weinen zu sehen. Tränen sind ja im Fernsehen eine sehr ambivalente Sache. Sie wirken im Werben um die Gunst des Publikums wie Brandbeschleuniger: Sie können ausgesprochen hilfreich oder auch ziemlich verheerend sein.

Wussten Sie eigentlich, dass Bart, der erste Gewinner des ersten niederländischen „Big-Brother“-Staffel, überhaupt nur von den Zuschauern zum Champion gekürt wurde, weil ihm das Ausscheiden seiner Container-Flamme Sabine so zu Herzen gegangen war?