Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. Das gilt auch für jenen absurden Vorstoß des Berliner Senats mittels eines Fragebogens die Gesinnung von Lehrern anhand ihrer Tätowierungen überprüfen zu wollen. Die Behörden forderten die Lehrer auf, die Bildchen, Symbole und Schriftzüge zu fotografieren und zu beschreiben, an welcher Stelle ihres Körpers sie sich befinden und was die ihnen bedeuten. Intimzone? Egal. Privatsphäre? Unerheblich. Schamregion? Nicht im öffentlichen Dienst. Nun sind die Fotos vom Tisch, der Fragebogen soll überarbeitet werden. Das nimmt dem Vorhaben die Spitze, das Problem aber bleibt.

Natürlich sind Lehrer in besonderem Maße verpflichtet, sich durch ihr gesamtes Verhalten zur freiheitlich demokratischen Grundordnung zu bekennen. Das soll hier nicht bestritten werden. Ein Lehrer muss Kindern und Jugendlichen glaubwürdig vermitteln, dass Freiheit, Demokratie und sozialer Rechtsstaat Werte sind, für die einzusetzen es sich lohnt. Hat der Lehrer selbst Probleme mit der Verfassung, kann er sie Schülern nicht vermitteln. So sieht es die Rechtsprechung.

Wenn sich nun ein Beamter eine verfassungsfeindliche Gesinnung in die Haut stechen lässt, wird aus der Körperdekoration die Kundgebung, dass er sich von der Verfassungsordnung abgewendet hat. Dabei kommt es nicht mal darauf an, ob er die Tätowierungen offen zeigt. So sah es zumindest das Landesarbeitsgericht in einem Prozess gegen einen Brandenburger Lehrer. Der Mann mit rechtsradikaler Symbolik und SS-Losungen auf dem Oberkörper war auf einem Schulsportfest aufgefallen.

Etwas anderes ist es aber, den Körper seiner Beschäftigten mittels Fragebögen und Fotos auskundschaften zu wollen. Eine solche Gesinnungsschnüffelei auf nackter Haut steht weder Behörden noch anderen Arbeitgebern zu und sie ist auch vollkommen unnötig. In Einstellungsgesprächen und im Arbeitsalltag offenbart sich ohnehin, was der Betreffende vertritt. Für den Streitfall reicht die Rechtsprechung.