Frau Höfels, Sie spielen meistens starke Frauen, kämpften zuletzt für das Recht auf Abtreibung und Lohngerechtigkeit. In der aktuellen Komödie „Mein Freund, das Ekel“ (am Donnerstag um 20.15 Uhr im ZDF) geraten Sie als alleinerziehende, obdachlose Mutter an „Ekel“ Dieter Hallervorden. Und, so viel darf man sicher verraten: Sie gewinnen natürlich. Starke Frauen, ist das Ihr Ding?

Meine Figur ist eine alleinerziehende Mutter aus der Mitte der Gesellschaft. Alleinerziehende haben im Alltag oft mit enormen Herausforderungen umzugehen. Der tägliche Überlebenskampf ist traurige Realität. Und in einer Komödie kann man das vielleicht sogar besser erzählen als in einem ernsten Film.


Sie wirken immer sehr authentisch in Ihrer Darstellung. Das blaue Muttermal auf der Wange und Ihr besonderer Gang sind Ihre Markenzeichen. Wie sind die Reaktionen des Publikums?

Es gibt viele positive und persönliche Reaktionen von Kindern bis zu älteren Menschen. Manche kennen mich aus „Fack ju Goehte“, aus dem „Tatort“ oder eben aus Fernsehfilmen. Ich habe gar keine bestimmte Zielgruppe.

Gab es Reaktionen, an die Sie sich besonders erinnern?

Ja, ich habe zum Beispiel Briefe von einer 16-Jährigen bekommen. Sie schrieb, dass sie früher sehr wenig Selbstbewusstsein gehabt habe – und dass sich das durch meine Filme verändert habe.


Wie würden Sie das erklären?

Die Figuren, die ich spiele, haben oft nicht die beste Ausgangsposition, aber sie entwickeln sich. So ist das im Leben auch, man kann sich verändern und wird dadurch stärker.

Sie haben mal gesagt, Sie nehmen Ihre Rollen nicht wegen des Geldes an, sondern wegen der Qualität.

Ich bin dankbar für meine momentane berufliche Situation und bekomme immer wieder mal schöne Angebote. Da ist natürlich bei manch anderem Kollegen mit drei Kindern vielleicht ein etwas anderer Druck, auch mal Kompromisse einzugehen.

Wie sehen Sie im Nachhinein Ihre Entscheidung, den „Tatort“ verlassen zu haben, der ja für Schauspieler so eine Art Lebensversicherung ist. Die Begründung war damals „fehlender künstlerischer Konsens“. War das nicht waghalsig?

Das war die richtige Entscheidung, um meinen Weg weiterzugehen. Und es ist natürlich auch schön, viele unterschiedliche Rollen zu spielen und nicht auf eine festgelegt zu sein.

Ihr Hintergrund, sagten Sie mal, ist: Keine Kinder, kein Auto und kein Loft, sondern eine kleine Mietwohnung. Stimmt die Geschichte, dass Sie die Waren in Ihrem Einkaufswagen schon beim Reinlegen immer im Kopf auf den Cent genau zusammenrechnen?

Ich komme aus einer Schauspielerfamilie und habe sämtliche Höhen und Tiefen des Berufs kennengelernt. Da gab es auch mal Phasen, wo wir wenig Geld hatten. Da überprüft man lieber, was man im Wagen hat, bevor das über den Scanner gezogen wird und am Ende zehn Euro fehlen.

Haben Sie noch Kontakt zu Til Schweiger, der Sie in „Keinohrhasen“ entdeckt hat?

Im Moment nicht. Aber ich erinnere mich sehr gern an die Arbeit damals und ich werde ihm immer dankbar sein. Er ist ein feiner Mensch. Er hat sehr viele Menschen in die Kinos gelockt, das muss man erstmal schaffen. Es war auf jeden Fall eine besondere Begegnung. Wie auch jetzt mit Dieter Hallervorden.