Jerusalem/New York - Angesichts der zunehmenden Gewalt im Streit um den Zugang zum Jerusalemer Tempelberg haben Schweden, Frankreich und Ägypten am Samstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Die Ratsmitglieder müssten dringend über Möglichkeiten beraten, „wie die Appelle zu einer Deeskalation unterstützt werden können“, sagte der schwedische UN-Botschafter Carl Skau am Samstag in New York.

Neue Eskalationstufe

Ein Datum für die Sitzung stand zunächst nicht fest. Der Streit über Metalldetektoren und zusätzliche Überwachungskameras am Eingang zum Tempelberg - auf Arabisch Al-Haram Al-Scharif (edeles Heiligtum) - hatte am Freitag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Binnen 24 Stunden wurden in dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sechs Menschen getötet - unter ihnen drei Israelis, die von einem palästinensischen Angreifer in einer Siedlung im besetzten Westjordanland erstochen wurden.

Die Auseinandersetzungen gingen auch am Samstag weiter. Dabei wurde erneut ein Palästinenser nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums getötet. Der 17-Jährige wurde demnach bei Zusammenstößen im Westjordanland von israelischen Sicherheitskräften beschossen und schwer verletzt, am Abend erlag er seinen Verletzungen.

Auswärtiges Amt appelliert für Deeskalation

Das Auswärtige Amt appellierte am Samstag an alle Beteiligten, zu einer Deeskalation beizutragen. Niemand dürfe „denjenigen das Wort überlassen, die zur Gewalt aufrufen oder diese in Kauf nehmen“, erklärte es in Berlin. Vielmehr sei es „dringend nötig, Gesprächskanäle nicht abreißen zu lassen“ und nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.

Die EU rief ihrerseits Israel und Jordanien auf, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie sich die Sicherheit auf dem Tempelberg für alle gewährleisten lasse. Israel hatte nach einem Anschlag arabischer Israelis auf zwei israelische Polizisten in der Jerusalemer Altstadt in der vergangenen Woche die Kontrollen zum Tempelberg verschärft.

Die Palästinenser sehen darin einen Versuch Israels, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu übernehmen, der Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen als bedeutendes Heiligtum gilt. Verwaltet wird er von einer jordanischen muslimischen Stiftung. Wegen der Verschärfung der Zugangskontrollen zum Tempelberg fror Palästinenserpräsident Mahmud Abbas inzwischen alle Kontakte der Palästinenserführung zu Israel ein. (afp)