Ein Tempolimit wird perspektivisch eines der geringsten Verbote sein. 
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BerlinDer letzte Winter, der diesen Namen verdient, liegt jetzt zehn Jahre zurück. In den Wintermonaten 2009 und 2010 war es in Deutschland sehr kalt. Außerdem lag eine Menge Schnee – und beides über Wochen. Heute hingegen gibt es selbst in höheren Lagen weder Frost noch die sogenannte weiße Pracht. Kinder können von Schneemännern nicht einmal mehr träumen. Dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt, gilt unter Fachleuten als unstreitig.

Nun sagen selbst Grüne, dass ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen einen lediglich bescheidenen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel liefern würde. Die Angaben reichen von einer Reduktion des jährlichen CO₂-Ausstoßes um minimal 0,5 bis maximal 1,6 Prozent. Und doch spricht alles für ein Tempolimit.

Maximal 1,6 Prozent CO₂-Reduktion

Klimapolitisch gilt: Eine geringfügig niedrigere CO₂-Reduktion wäre mehr als nichts. Kleinvieh macht auch Mist. So oder so würde die Unfallgefahr deutlich sinken – und damit die Zahl der Toten und Verletzten. Insgesamt würde der Verkehr bei einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung flüssiger fließen. Er würde damit für den Einzelnen zugleich berechenbarer. Der vielfach bemühte Hinweis, dass fast alle anderen Länder Tempolimits haben, ist da noch das schwächste Argument.

Wer jetzt vor Verboten und einem Verlust von Freiheit warnt, dem sei gesagt: Ein Tempolimit wird perspektivisch eines der geringsten Verbote sein. Denn tatsächlich bedroht der Klimawandel unsere gesamte industrielle Lebensweise. Wenn wir nicht schnell und radikal umsteuern, wird davon nichts übrig bleiben. So gesehen wäre ein Tempolimit auch kein Instrument zur Beschneidung von Freiheit, sondern – so paradox es klingt – ein Beitrag zu ihrer Rettung. Das Recht, auf Autobahnen 130 zu fahren, ist angesichts der Dimensionen, um die es geht, jedenfalls leider nur eines: Pipifax.