Barcelona - Terror in Barcelona. Ein weißer Lieferwagen raste am Donnerstag auf der Flaniermeile Las Ramblas mitten in der katalanischen Hauptstadt in Passanten. Zahlreiche Menschen wurden dabei verletzt oder getötet. Wenige Stunden später, in der Nacht zu Freitag, wurden bei einer Polizeiaktion im Badeort Cambrils, rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona, fünf mutmaßliche Terroristen erschossen. Ein Überblick.

WAS WIR WISSEN

Die Tat: Gegen 17 Uhr fährt am Donnerstagnachmittag ein weißer Lieferwagen laut Augenzeugenberichten mit hoher Geschwindigkeit auf die Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona. In der Mitte dieser Straße ist ein breiter Flanierbereich für Fußgänger, auf diesem rast der Transporter den Berichten zufolge im Zickzack in die Menschengruppen hinein. Nach Angaben der Zeitung „El Periódico de Catalunya“ legt der Fahrer auf den Las Ramblas gut 550 Meter zurück. Am Pla de l'Os bleibt der Van stehen, mitten auf einem bekannten Mosaik von Joan Miró. Der Fahrer flüchtet zu Fuß. Die katalanische Regierung teilt am Abend mit, dass zwei Verdächtige festgenommen worden seien.

Der Tatort: Die Flaniermeile Las Ramblas ist eine knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt. Sie führt von der Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Mit seinen historischen Häusern, der alten Markthalle und dem Liceu-Theater sowie den Blumenhändlern und Straßenkünstlern zählt der Boulevard zu den Hauptattraktionen für Touristen. Entlang der Ramblas und in den Seitengassen befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Hostels.

Die Täter: Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen weißen Lieferwagen einer Leihwagenfirma. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen „La Vanguardia“ und „El Periódico de Catalunya“ unter Berufung auf die Polizei. Vier Tatverdächtige wurden festgenommen.

Vorfall in Cambrils: In dem Badeort südwestlich von Barcelona erschossen die Einsatzkräfte fünf mutmaßliche Terroristen. Nach Medienangaben waren die Männer in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Auf der Flucht fuhren sie Passanten an, eine Frau kam ums Leben. Bei den Sprengstoffgürteln der Verdächtigen handelte es sich der Polizei zufolge um Attrappen. Die Behörden vermuten einen Zusammenhang zwischen den Taten in Barcelona und Cambrils sowie einer Explosion in der Ortschaft Alcanar.

Vorfall in Alcanar: In der Ortschaft in der Provinz Tarragona war am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen, sieben weitere wurden verletzt. Es gebe „klare“ Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona, sagte der katalanische Polizeichef. Nach Medienberichten wurden in dem Haus etwa 20 Gasflaschen gelagert. Dort sei der Anschlag von Barcelona vermutlich vorbereitet worden.

Die Opfer: Ingesamt wurden 14 Menschen getötet und etwa 100 verletzt. Die Opfer von Barcelona und Cambrils sollen aus 34 Ländern stammen. Die Zahl zur den Nationalitäten war noch vorläufig. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch unter den 13 Todesopfern deutsche Staatsangehörige seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. Das ZDF berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise von drei deutschen Todesopfern.

Was steckt hinter dem Anschlag? Die IS-Terrormiliz reklamiert laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äußerungen. Die Polizei dementiert Medienberichte, wonach sich Menschen - darunter möglicherweise auch Täter - in einem Restaurant verschanzt hätten. Niemand habe sich verschanzt, heißt es.

Was passierte in der Nacht? In der Stadt Cambrils rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona erschossen die Einsatzkräfte in der Nacht zu Freitag fünf mutmaßliche Terroristen. Sie sollen Sprengstoffgürtel getragen haben. Bei dem Einsatz wurden sieben Menschen verletzt, zwei davon schwer, wie der katalanische Zivilschutz auf Twitter schrieb. Unter den Verletzten war auch ein Polizist.

Gibt es einen Zusammenhang? Nach spanischen Medienangaben seien die Täter in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Als dieser nach einer Verfolgung umgekippt sei, seien sie geflohen und dann niedergeschossen worden. Zuvor hätten sie noch Menschen angefahren. Zwei Verdächtige, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona stünden, seien festgenommen worden, sagte Polizeichef Josep Lluís Trapero. Einer der beiden Männer sei ein Marokkaner, der andere komme aus der spanischen Exklave Melilla.

WAS WIR NICHT WISSEN

Wer ist der Haupttäter? Bei dem Mann könnte es sich nach übereinstimmenden Berichten der spanischen Presse um den 17-jährigen Moussa Oukabir aus Ripoll handeln. Dafür gab es aber keine offizielle Bestätigung.

Was ist das Motiv? Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hätten in sozialen Netzwerken den Anschlag in Barcelona ähnlich gefeiert wie seinerzeit die Attacke in Manchester.

Was sind die Hintergründe des Vorfalls in Cambrils? Die Ermittler prüfen, ob die Täter die Attacke in Barcelona nachahmen wollten. Das mögliche Anschlagziel, die Strandpromenade Paseo Marítimo, ist voller Bars und Discos.

Befand sich das Terrorzentrum der Terrorzelle in Alcanar? Dies berichtete die Zeitung „El País“. Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude im äußersten Süden der Region Katalonien ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach bislang nur von „klaren“ Verbindungen. 

(dpa, red)