Mogadischu - Mindestens 29 Menschen sind bei einem Anschlag der islamistischen Shebab-Miliz im Süden Somalias getötet worden. Unter den Opfern des mehrere Stunden andauernden Angriffs auf ein Hotel in der Hafenstadt Kismayo waren nach Angaben der örtlichen Regierung vom Samstag auch mehrere Ausländer, darunter eine bekannte kanadisch-somalische Journalistin. Zudem gab es mindestens 56 Verletzte, zwei davon mit chinesischer Staatsbürgerschaft.

„Die Sicherheitskräfte haben jetzt die Kontrolle, der letzte Terrorist ist erschossen worden“, sagte Mohamed Abdiweli von den örtlichen Sicherheitsbehörden nach fast zwölfstündiger Belagerung des Hotels Medina im Zentrum der rund 500 Kilometer südwestlich von Mogadischu gelegenen Stadt. Die Behörden gingen demnach von vier Angreifern aus.

„Das ganze Gebäude ist zerstört“

Zunächst hatten die Behörden den Tod von sieben Menschen, dann von zwölf Menschen bekanntgegeben. Später erhöhte sich die Zahl der Toten auf 26. Unter den Getöteten seien zwei US-Bürger, ein Brite, eine Kanadierin, drei Tansanier und drei Kenianer, erklärte der Präsident der teilautonomen Region Jubaland im Süden Somalias, Ahmed Madobe. Mindestens vier der Getöteten hatten eine doppelte Staatsbürgerschaft, wie AFP von Angehörigen erfuhr.

Der Angriff begann am späten Freitagnachmittag, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto in den Eingangsbereich des Hotels krachte und explodierte. Im Anschluss verschafften sich mehrere schwer bewaffnete Männer Zugang zu dem Hotel und lieferten sich mit den dortigen Sicherheitskräften ein stundenlanges Feuergefecht. Augenzeugen berichteten von einer „sehr großen“ Explosion und von „Chaos“ im Inneren des Hotels. Dem Augenzeugen Muna Abdirahman zufolge trugen die Angreifer Polizeiuniformen. „Das ganze Gebäude ist zerstört“, sagte Abdirahman.

Vor allem Politiker und Unternehmer im Hotel anwesend

Sicherheitskräfte hätten das gesamte Gelände abgesperrt. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich im Vorfeld von Regionalwahlen vor allem Politiker und Unternehmer in dem zentral gelegenen Hotel auf. Unter den Toten seien ein ehemaliger Minister der örtlichen Verwaltung und ein Abgeordneter, sagte Abdi Dhuhul, ein weiterer Vertreter der Sicherheitsbehörden, der AFP. Die somalische Journalistengewerkschaft SJS bestätigte den Tod des Journalisten Mohamed Sahal sowie der Online-Aktivistin und Journalistin Hodan Naleyeh.

„Dies ist ein sehr trauriger Tag für somalische Journalisten“, erklärte SJS-Direktor Ahmed Mumin. Naleyeh, deren Ehemann Zeugenaussagen zufolge auch unter den Getöteten ist, war erst vor kurzem aus Kanada nach Somalia zurückgekehrt und besaß beide Staatsbürgerschaften. Sie war besonders in der somalischen Diaspora für ihren Einsatz für Frieden und Einigkeit in Somalia bekannt. In den Online-Netzwerken löste die Nachricht von ihrem Tod große Trauer aus.

Die mit dem Al-Kaida-Netzwerk verbündete Shebab-Miliz bekannte sich zu der Attacke auf das beliebte Hotel. Die Miliz kontrollierte über Jahre weite Teile Somalias und verübt noch immer regelmäßig Anschläge, vor allem in Mogadischu. Bei der Explosion einer Autobombe an einem Kontrollpunkt in der Nähe des Parlaments waren dort im Juni mindestens acht Menschen getötet und 16 verletzt worden. (afp)